DIY, Fotografie
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Zauberhaftes Bokeh

bokeh-tiere-Collage

Die dunkle Jahreszeit nähert sich mit riesigen Schritten. Vor acht Uhr am Abend ist es bereits so düster, dass man ums Anknipsen des Lichtschalters nicht mehr herumkommt. Was einerseits den schmerzlichen Abschied von meinem heißgeliebten Sommer nur verdeutlicht, hat ja zugegebenermaßen auch seine guten Seiten. Zum Beispiel, wenn’s ums Fotografieren geht. Ein Lichtlein hier, ein Kerzlein dort und schon steckt man in der raffiniertesten Langzeitbelichtung. Im Dunkeln lässt’s sich nämlich prima experimentieren. Bokeh ist da ein Stichwort, das jede Menge Möglichkeiten bietet.

Den Unschärfebereich eines Bildes, der, die oder das Bokeh nämlich, kann man mit einer simplen Schablone so verändern, dass zum Beispiel Lichter im Hintergrund nicht als Sechsecke oder Kreise verschwimmen, sondern beliebige Formen annehmen. So kann man Tiere, Sterne, Herzen, Buchstaben und eben wirklich alles, was das Fotografenherz begehrt, ins Bild zaubern. Mit wenig Material und ein bisschen Schnippelei lässt man so innerhalb weniger Minuten zum Beispiel anstelle der Flammen von Teelichtern kleine Katzen, Katzenköpfe oder Libellen auf den Kerzen tanzen – natürlich rein optisch, versteht sich 😉

 

Das braucht Ihr

  • schwarze Tonpappe
  • Nagelschere
  • helle Buntstifte
  • Schere
  • ggf. ein Lineal
  • ggf. einen Zirkel
  • ggf. Klebeband, falls Ihr keinen Filter (zum Beispiel einen UV-Filter) vor Eurem Objektiv verwendet

So geht’s

Falls Ihr einen Filter vor der Frontlinse Eures Objektivs verwendet, geht Ihr so vor: Zeichnet mit Hilfe des Filters einen Kreis auf die schwarze Tonpappe. Schneidet diesen entlang der Kreislinie aus. Bestimmt Pi mal Daumen den Mittelpunkt des Kreises und markiert diesen. Um den Mittelpunkt herum zeichnet Ihr Euer Motiv auf die Pappe und schneidet dieses vorsichtig und so exakt wie möglich mit der Nagelschere aus. Fertig ist Eure Bokeh-Schablone. Prüft, ob diese zwischen die Ränder Eures Frontlinsenfilters passt und schneidet die Schablone bei Bedarf etwas zu.
Achtet bei der Motivauswahl und beim Ausschneiden darauf, dass das Motiv nicht höher oder breiter ist als der Durchmesser der größten Blendenöffnung Eures Objektivs. Um den zu bestimmen, stellt Ihr im manuellen Modus Eurer Kamera den Blendenwert (das ist der Wert mit dem f) auf die kleinstmögliche Zahl. Jetzt ist die Blende weitestmöglich geöffnet. Dann schaut Ihr von vorn in das Objektiv und messt die Weite der Lamellenöffnung. 
Ich habe die Motive alle so klein wie möglich geschnitten, weil meiner Meinung nach dadurch das Bokeh umso schärfer wird. Aber gerade bei feingliedrigen Motiven kann dies schwierig werden.

Falls Ihr keinen Frontlinsen-Filter verwendet, schneidet Ihr die Schablone etwas großzügiger aus, so dass Ihr einen Rand erhaltet, den Ihr durch seitliches Einschneiden (siehe Foto) und Festlegen mit Klebeband direkt an Eurem Objektiv befestigen könnt. Steckt den Filter dazu einfach von vorn auf das Objektiv.

Jetzt zur Praxis: Wenn Eure Bokeh-Schablone sicher auf dem Objektiv oder dem Filter sitzt, öfnnet Ihr die Blende im manuellen Modus oder im Modus A (Blendenvorwahl) so weit wie möglich. Den Autofokus stellt Ihr aus. Bei Dunkelheit verwendet Ihr am besten ein Stativ oder legt die Kamera auf einem rutschsicheren Untergrund auf. Nun richtet Ihr die Kamera auf die Lichtquelle Eurer Wahl und fokussiert auf unendlich, also so, dass Ihr die Lichtquelle unscharf seht. Jetzt sollten die Lichter bereits in der Form Eurer Bokeh-Schablone erscheinen. Schließlich betätigt Ihr den Auslöser (Kamera schön still halten) und fertig ist Euer Motiv-Bokeh.

Was sich meiner Erfahrung nach nicht vermeiden lässt, ist die dunkle Vignette am Rand eines Bildes. Sie wird jedoch geringer, je mehr man die Blende schließt. Bei Nachtaufnahmen stört sie mich nicht, bei Tageslichtaufnahmen kann man durch die Vignette sogar ganz hübsche Effekte erzeugen, wie ich finde. Auf den Blumenbildern erkennt man schwach in der linken Bildhälfte das Motiv-Bokeh. Im oberen Bild sind es die Katzenköpfe, im unteren kleine Herzchen.


Was hilft, um Bokeh zu erzeugen, sind lichtstarke Objektive und stark reflektierende Objekte im Motiv. Klassische Besipiele sind Lichter im Dunkeln, Regentropfen auf Pflanzen oder auch Portraits, bei denen meist nur das Gesicht der fotografierten Person fokussiert wird, wodurch der Unschärfebereich deutlich ausfällt. Hilfreich ist auch ein großer Abstand zwischen dem Objekt, auf das fokussiert wird, und dem Hintergrund. Ich werde mit Bokeh auf jeden Fall weiter experimentieren und bin gespannt, was dabei herauskommt.
Und hier noch ein Nacht-Schnappschuss der Rücklichter eines vorbeifahrenden Autos. Crazy, oder?


2 Kommentare

  1. Anonymous sagt

    tolle Idee…experementier auch gern beim Fotografieren… mal sehen, wann ich dazu Zeit finde…speicher deine Seite erst mal ab :) Manuela

    • Liebe Manuela,

      da freuen wir uns sehr, dass wir dir ein bisschen Inspiration mitgeben konnten :-) Meld dich gern mal, wenn du Schablonen gebasteltet hast und erzähl uns, wie’s bei dir funktioniert hat.

      Danke für dein Feedback und bis hoffentlich bald!

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