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Truly Outback: von Hundefriedhöfen, Dog-in-a-ute-Rekorden und Wave Rock

Wave Rock Western Australia

Die Strecke von Perth zum Fitzgerald River National Park war die erste Etappe meiner Swag-Camping-Tour. Als unser Tourguide ankündigte, dass wir gleich am ersten Tag über sechs Stunden im Bus verbringen würden, war ich zunächst wenig begeistert. Doch was wir in den kommenden acht Tagen vorhatten, war schließlich nicht ohne: Wir wollten die Südküste Australiens erreichen und den halben Kontinent bis Adelaide durchqueren. Das bedeutete, dass wir mehr als 3300 Kilometer über Land zurücklegen würden. Ein hehres Ziel, doch solange ich nicht am Steuer sitzen musste, hatte ich irgendwie Lust drauf.
Ein Roadtrip in einer netten Reisegruppe, die gigantische Nullarbor Plain vorbeiziehen sehen, viel lesen und jede Nacht im Freien schlafen – total gut! Schon auf meinem Flug von Melbourne nach Perth hatte ich gestaunt, wie lang dieser dauerte. Doch erst, wenn man Stunde um Stunde im Bus sitzt, Kilometer um Kilometer durch planes Wüstenland zurücklegt, bekommt man wirklich ein Gefühl dafür, wie gigantisch groß Australien ist.

Historic Building in the Historic Township of York, Western Australia

Historic Township of York

Um halb sechs morgens ging es in Perth los, der erste Stopp war York, ein hübsches kleines Örtchen im australischen Wheat Belt – eine Siedlung mit rund 2000 Einwohnern inmitten goldener Weizenfelder. Hier fühlte ich mich gleich, als sei ich mitten in einem Western-Streifen gelandet: wunderschöne Gründerzeit-Häuser mit Iron-Lace-Geländern und Verzierungen, verstaubte Krimskramsläden und – salopp gesagt – kein Schwein unterwegs! Nur auf dem Showground tummelten sich Menschen – in dicken Samtmänteln und Lederröcken, denn: Hier feierte man Renaissance Fair, ein Mittelalterfest. 

Street in the Historic Township of York, Western Australia

Corrigin – wo Hunde Schlange stehen und in Frieden ruhen

Kaffe schlurfend trotteten wir müden Reisenden schließlich zurück zum Bus, der schon bald in Richtung Wave Rock aufbrach. Auf dem langen Weg dorthin passierten wir Corrigin, ein wahrlich eigenwilliges kleines Dorf. Das 900-Seelen-Nest umfasst nur wenige Straßen und ist doch landesweit eine Berühmtheit – und zwar gleich aus zwei Gründen: einer ist der Hundefriedhof, auf dem etwa 90 Vierbeiner ihren ewigen Frieden gefunden haben, und der zweite ist der jährlich stattfindende „Dog-in-a-ute“-Contest. Dog in a ute? Dog in a ute!
Ein „ute“ ist ein Nutzfahrzeug (utility truck) mit Laderampe, eine Art Pick-Up. Und „dog in a ute“ ist  nun tatsächlich das, was man sich darunter vorstellt: ein Hund in einem Auto. Der erste „Dog in a Ute“-Wettbewerb fand 1997 in Victoria statt, Corrigin hält seit 2002 den Weltrekord für die längsten Dog-in-a-Ute-Parade der Welt, und zwar mit 1527 Hunden in Utes. Ein „Aussie Thing“ ist das wohl – ich verbuche es als liebenswerte Eigenheit der australischen Landbevölkerung.
Naja, und in Corrigin ist man jedenfalls sehr stolz auf diesen Weltrekord – und deshalb findet man an den ungewöhnlichsten Stellen im Ort (zum Beispiel auf einer Tankstelle) und im County alte Utes mit Hundefiguren auf der Ladefläche oder im Fahrerhäuschen.

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Wave Rock

Unser nächstes Ziel auf dem Weg zum Fitzgerald River National Park, wo wir unser Swag-Lager für die Nacht aufschlagen sollten, war Wave Rock. Wave Rock ist ein Fels, der durch Erosion über Jahrtausende hinweg so geformt wurde, dass er heute wie eine Welle aussieht, die kurz vor dem Umbruch steht. Mit 15 Metern Höhe und 110 Metern Länge ist Wave Rock ein beeindruckendes Naturmonument. Wer den Felsen erklimmt, dem bietet sich ein fantastisches Panorama über flaches Farmland. Nicht weit vom Wave Rock entfernt liegt Hippo Yawn, eine weitere Felsformation, die angeblich (mit viel Phantasie) so aussieht wie ein gähnendes Nilpferd von vorne. Naja… Ich vermute, das hat sich ein findiger Tourismus-Mensch ausgedacht, der die Attraktion Wave Rock etwas anreichern wollte, um die Zutrittsgebühr in Höhe von zehn Dollar pro Fahrzeug zu rechtfertigen. 
Obwohl die Landschaft am Wave Rock sehr sehenswert war, haben wir unseren Spaziergang auf das Nötigste beschränkt. Warum? Fliegen! So viele Fliegen wie hier hatte ich selbst am Strand von Cottesloe nicht angetroffen! Grr! Was waren diese Biester lästig! Das Furchtbare an Outback-Fliegen ist, dass sie unheimlich aufdringlich sind. Viel nerviger als normale Hausfliegen. Denn Outback-Fliegen haben es – angeblich – aufgrund ihres trockenen Lebensraums auf alles abgesehen, was feucht und schattig ist. Und das heißt: Die Outback-Fliegen steuern gezielt Augen, Nasenlöcher und Ohren an, in die sie übrigens sehr gerne hineinkriechen. Wirklich aufdringlich, diese Viecher! Ob die Begründung stimmt oder ein Ammenmärchen ist, weiß ich nicht – so oder so haben mich die Fliegen in den Wahnsinn getrieben! Uns begegneten immer wieder Menschen mit Fliegennetzen um den Kopf herum – eine wirklich lohnende Investition für eine Reise durchs Outback, wie sich noch zeigen sollte…

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Bizarres Outback

An welcher Stelle dieser langen Fahrt von Perth zum Fitzgerald River NP wir auf den Truck gestoßen sind, der auf einem Berg hing, weiß ich nicht mehr. Das Motiv fand ich aber äußerst bizarr und total sinnbildlich für die Eigenheiten des australischen Outbacks. Fällt für mich in etwa in dieselbe Kategorie wie die Dog-in-a-ute-Geschichte. Unser Tourguide meinte zum truck-on-a-hill nur trocken: „Just happened. Don’t ask.“ Spätestens hier begann ich, das Outback irgendwie zu mögen…

Truck on a Hill, Western Australia

Truck on a Hill, Western Australia

 

2 Kommentare

  1. Das sieht unglaublich beeindruckend aus! Die Form erinnert an The Wave in Arizona. Nur dass es dort roter Sandstein, aber ebenso abenteuerlich ausschaut. Für die Wanderung dorthin muss man ein Ticket ergattern und davon werden pro Tag nur sehr wenige herausgegeben. Und reichtlich Wasser schadet auch nicht im Proviant, denn zwischendurch gibt es weder Quellen noch Schatten. Ein Abenteuer, das wir hoffentlich bei der nächsten Tour im Südwesten der USA auch erleben dürfen!

    • Sarah

      Hey Anke,
      habe mir „The Wave“ in Arizona gerade mal online angesehen – und du hast Recht, diese Gesteinsformation ist dem Wave Rock sehr ähnlich. Ist ein toller Tipp für die nächste größere Reise (auch das mit den wenigen Tickets). Von den USA kenne ich nämlich bisher auch „erst“ NYC, Florida und die kalifornische Küste – aber angesichts der Größe dieses Landes ist das ja gerade mal ein kleiner Klecks.
      Bin gespannt, ob ich demnächst bei euch davon lese :-)
      Liebe Grüße von
      Sarah

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