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Magnetic Island – drei Tage im Paradies

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Magnetic Island – hier sitze ich in der Bar unseres Hostels (wooo!), neben mir ein gekühltes Zitronenwasser (verspricht einen wilden Abend!) und mein Kopf brummt bei dem Versuch, die Ereignisse der vergangenen Tage zu verarbeiten. Überdies verliebe ich mich alle drei Minuten wieder in den Menschen, der die Playlist des heutigen Abends zusammen gestellt hat: „Mr. Jones“ von den Counting Crows, das Lieblingslied meiner Teenie-Zeit schlechthin, und Jack Johnsons happy-ever-after-Ukulele lassen mich fast vergessen, dass erst gestern unser schönes Charakter-Auto seinen ehrenwerten Offroad-Geist aufgegeben hat (bereits das zweite in zwei Monaten) und auch dieser Roadtrip in Australien bereits zahlreiche Geschichten vom Kaliber „at least you got a story to tell“ hervorgebracht hat. Aber darum soll es heute nicht gehen, schließlich ist Magnetic Island nun wirklich nicht der Ort, um über die Schattenseiten des Reisens nachzudenken.
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Während der Überfahrt mit der Fähre von Townsville weht uns eine salzige Brise ins Gesicht. Die Luft ist auch zum Ende des australischen Winters tropisch warm, nach zwanzig Minuten Seegang auf der grünen Korallensee erreichen wir Nelly Bay, den Hafen von Magnetic Island. Als wir von Bord gehen, winkt der Skipper fröhlich mit seiner Mütze und pfeift den Reisenden ein flottes „have a great time on this fantastic island“ hinterher. Am Terminal warten bereits zwei Busse auf die Neuankömmlinge. In den Falschen einzusteigen, ist fast unmöglich, da es auf Magnetic Island nur eine Buslinie gibt, die alle drei Ortschaften bedient. Einzig auf die Richtung muss man acht geben: Wir „boarden“ Richtung Horseshoe Bay.

Gebucht haben wir eine Hütte im Bungalow Bay Koala Village im Nordosten von Magnetic Island. Das Hostel liegt inmitten von tropischem Regenwald – wow! Die Fenster hat man sich beim Bau gespart – statt ihrer gibt es Materialaussparungen in den Wänden, die mit Moskitonetzen gefüllt sind. Schilder kündigen an, dass wir während unseres Aufenthaltes mit dem Besuch von zahlreichen Waldbewohnern zu rechnen haben. Possums stehen demzufolge vor allem auf Küchenpartys, Koalas beobachten meist dezent aus den Wipfeln der Eukalyptusbäume, Ameisen und Vögel schauen dann und wann auch interessiert im Schlafgemach selbst vorbei. Ein nettes Hostel, zertifziert als Eco Tourism Resort, von dem aus man Zugang zu Wanderwegen und den wirklich wahnsinnig schönen Buchten der Insel hat.


 
Am ersten Tag erkunden wir Horseshoe Bay, sprechen mit Bob, dem kernigen Inhaber des Mini-Supermarktes im Ort, der zum Hawaii-Hemd eine Kette mit vier Haifischzähnen trägt und auf dessen Ladentheke mumifizierte Schlangen und Würfelquallen in großen Einmachgläsern schwimmen.

Unter Palmen wandern wir schließlich Richtung Osten, passieren einen asiatischen Touristen, der lachend in einem Flüsschen steht und offenbar nicht weiß, dass man in North Queensland stets damit rechnen muss, in einem Creek einem Croc auf den Kopf zu treten. Wir stiefeln trockenen Fußes weiter und schon bald bin ich froh, die große Wasserflasche mitgenommen zu haben: Über Wurzel, Stock und Stein geht es rauf und runter. Das Profil meiner Wanderschuhe gibt, was es kann. Wir durchstreifen Savanne, klettern über kleine und große Felsen und horchen gespannt auf die Geräusche, die aus dem australischen Bush dringen. Meist sind es Echsen oder Vögel, die im Laub rascheln, hin und wieder bemüht sich eine Schlange durchs Dickicht und an einer Stelle sind wir überzeugt, ein sehr großes Tier aus voller Brust brummen und röhren zu hören. Das ist und nicht ganz geheuer und so setzen wir unseren Bushwalk fort nach Balding Bay und Radical Bay. Später glauben wir nicht, dass das Röhren, vor dem wir uns gefürchtet haben, der Paarungsruf eines Koalas war…


Radikal schön führt uns der Weg zu letzterer durch ein Feld an Frühlingsblumen an einen Palmenstrand, wo uns eine Familie von Curlews, langstelzigen Schreitvögeln, skeptisch beäugt. Schon gut, wir wollen dem Nachwuchs nichts, lassen die „Locals“ aber doch lieber in Ruhe, man möchte ja nicht stören.

 

 
Derselbe Weg, der uns hergeleitet hat, führt uns auch zurück zum Koala Village. Hier angekommen, lassen wir uns in die bunten Hängematten am Pool sinken, lauschen dem Vogelgezeter der täglichen Lorikeet-Fütterung und bemerken erst, als wir verdutzt wieder aufwachen, wie bequem Hängematten eigentlich sind…

 
Am nächsten Tag wandern wir zu The Forts, Überbleibseln von Verteidigungsstationen aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch hier erwarten uns prächtige Ausblicke. Zudem verheißt ein Schild am Anfang des Wanderweges, dass wir auf Koalas treffen könnten. Diese Aussicht motiviert zum Laufen, auch bei 30 Grad im Schatten und einer unbarmherzig brennenden Mittagssonne.

Den Blick in die Kronen der Eukalyptusbäume gerichtet, stolpere ich von Stein zu Stein. Die erste Hälfte des Rundwegs bleibt koalalos. Auf dem Rückweg dann entdecke ich drei kompakte graue Fellknubbel zwischen den Ästen eines Eukalyptus. Wahnsinn – drei Koalas in der freien Wildbahn! Zwar ist Magnetic Island australienweit als Koala Capital bekannt, doch auch hier muss man durchaus Glück haben, die kleinen Beuteltiere zu Gesicht zu bekommen. Schließlich verschlafen sie rund 18 Stunden eines Tages und sind während ihrer bewegungslosen Ruhephase nicht leicht zu entdecken.

 
Mein Tierliebhaberherz schlägt schneller, als wir zurück ins Hostel wandern und uns unverhohlen gleich wieder in die Hängematten sinken lassen. Ein bißchen Schaukeln nach links, nach rechts, nach links und ich erwache durch das Gekreische der Rainbow Lorikeets, die im Baum über mir auf die tägliche Fütterung versammeln. Als die Chefin der Vogelküche schließlich mit einer Schale eingeweichtem Weißbrot auftaucht, pratscht sie den Umstehenden schnell eine Ladung kalten Matschs in die Hände und von diesem Moment an dauert es keine ganze Sekunde, bis jede menschliche Futterstelle von einer Schar regenbogenbunter Wuselvögel belagert und abgeschleckt wird.

 

 
Ein super cooles Erlebnis, so eine Lorikeet-Fütterung – wenn auch überaus strapaziös für die Ohren. Lorikeets erreichen locker 90 Dezibel mit einem einzigen Schrei. Das sind zehn Dezibel mehr als ein Presslufthammer schafft – wobei sich die Lautstärke pro zehn Dezibel verdoppelt, was bedeutet, dass ein Lorikeet doppelt so laut kreischt wie ein Presslufthammer arbeitet!

 
Abends trotten wir zum Sonnenuntergang zum Strand. Ebenso kitschig wie schön verabschiedet sich die Sonne in Pink-, Rot- und Orangetönen hinter einem Hügel. Zeit für uns, zum Hostel zurück zu kehren.

 
Am nächsten Tag besuchen wir den kleinen Tierpark, der zum Hostel gehört. Hier bekommen wir ein Küßchen von einem Red Tailed Black Cockatoo, halten eine Python und lassen uns von einer Echse auf dem Kopf herumtanzen.

 
Den Rest des Tages verbringen wir in der schönen Hostel-Anlage. Ein gutes Buch, eine Schaukelstunde in meinem neuen Lieblings-Fauteuil, der Hängematte – so klingen drei Tage Magnetic Island traumhaft entspannt aus. Ich glaube, wenn ich nach Deutschland zurückkehre, brauche ich einen Palmengarten, einen Schwarm Lorikeets und eine Hängematte. Während Nummer eins und zwei schwierig werden dürften, bin ich, was die Hängematte angeht, zuversichtlich…

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