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Ausflug nach Gibraltar

Affe auf dem Affenfelsen in Gibraltar

Da fährt man eines schönen Novembermorgens entlang der andalusischen Küste, sieht Osborne-Aufsteller, stramm wehende spanische Flaggen und Werbung für iberischen Schinken – und dann das: Passkontrolle, wir befahren britisches Territorium. Und zwar über die Landebahn des Militärflughafens, nachdem vor wenigen Augenblicken eine kleinere Maschine von links nach rechts weggerauscht ist. Nach Gibraltar einzureisen, ist wahrlich ein Erlebnis.

Szenen aus Gibraltar
Ein einziger Felsen, der am Südzipfel Europas steil aus dem Meer ragt, an dessen Fuß ein unheimlich quirliges und bereits in die Jahre gekommenes Städtchen, der Radiosender wechselt von spanischem Endlosgeplapper auf britische Popmusik. Fish und Chips zahlen wir in Euro, auf dem Wechselgeld lächelt uns freundlich aber bestimmt Queen Elizabeth II entgegen. Gibraltar-Pfund – klar, die britsiche Enklave hat ihre eigene Währung.

Am Europa-Point machen wir Halt. Hier sehen wir hinter uns eine islamische Moschee, unter uns das rauschende Mittelmeer, vor uns in nur 14 Kilometern Entfernung Marrokko, Afrika.

Szenen aus Gibraltar
Das Highlight unserer Tour liegt jedoch knapp 400 Meter weiter oben. Unser fragwürdiger Mietwagen bringt uns über steile Sträßchen, vorbei an bulligen Militäranlagen auf den Affenfelsen. Hier tummeln sich bereits neugierige Touristen, die Fotoapparate zücken und hastig Reißverschlüsse schließen, bevor eine flinke befellte Hand etwas daraus stibitzen kann.

Die Berberaffenkolonie, die hier lebt, hat gelernt, sich mit den Menschen zu arrangieren. Und sogar mehr als das: Sie sind die Könige, die den Felsen regieren, King Louie und Gefolgschaft haben hier das Zepter in der Hand. Coladosen, Chipspackungen, Taschentücher, ein Kameragurt – all das verlockend für die braunfelligen Gesellen und all das schnell umschlossen von den kleinen Fingerchen, heroisch erbeutet am hellichten Tag. Klar, dass auch an Ort und Stelle inspiziert und verzehrt wird, zum Beispiel ein Softdrink aus der frisch gegossenen Cola-Pfütze.

Gibraltar-Mix
Ehe man’s sich versieht, passiert das:

…und dann das:

Affen aitzen auf dem Kopf der Besucher des Affenfelsens in Gibraltar
Was die Affen ergattern, verteidigen sie. Was einmal weg ist, ist weg. Zurückholen ausgeschlossen, will man es nicht mit den scharfen Zähnen und kräftigen Kieferknochen der Affen aufnehmen. Denn die sind bereit, zuzubeißen, wenn ihnen ein Touri zu nahe kommt. Zurückgeben kommt übrigens auch nicht in Frage. Das gehört wohl einfach nicht zum guten Ton in der Affenkultur.

Trotzdem – die Affen aus nächster (!) Nähe zu beobachten, sich auf dem Kopf herumtanzen zu lassen und dabei zuzusehen, wenn eine Affenmama ihr schlafendes Junges im Arm wiegt, ist ein einzigartiges Erlebnis.

So skurril Gibraltar auch sein mag – ein Besuch lohnt sich. Zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Festland fühlt man sich wie in einer anderen Welt, leicht fehl am Platz, irgendwo zwischen einem zugeknöpften Andalusien, einem sonnig-warmen Großbritannien, massiven Betonbunkern und großkalibrigen Schießanlagen, Tropfsteinhöhlen und einem trubeligen Treiben inmitten einer Affenfamilie.

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