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Gegenlichtfotgrafie in der goldenen Stunde: Tipps, Tricks, Erfahrungen

Gegenlicht Porträt / Backlit Portrait

In der Fotografie gibt es nichts, das ich nicht lernen möchte. So viele tolle Techniken geistern durch die Welt und bieten so viele Möglichkeiten, die eigene Kreativität auszuleben. Ganz oben auf meiner Fotografie-Bucketlist steht die Gegenlichtfotografie. Ich mag es, wenn das Licht sich seitlich in eine Aufnahme schummelt und das Foto hier und da farblich verändert, einen Schleier ins Bild wirft oder einen bunten Lichtstrahl über mein Motiv legt. Bisher habe ich eher auf gut Glück Fotos ins Gegenlicht geschossen und mich gefreut, wenn ein schönes Bild dabei herumkam, zum Beispiel wie bei diesem Foto, das ich in New York auf der Straße aufgenommen habe (damals noch mit einer Kompaktkamera von Nikon).

Das war mir jetzt aber nicht mehr genug. Ich wollte tolle Gegenlicht-Porträts aufnehmen, wie ich sie bei Lisa Holloway zum Beispiel gesehen habe. Ich bin jedes Mal hin und weg vom warmen Licht der goldenen Stunde. Deshalb habe ich ein paar Tutorials zum Thema Gegenlicht-Porträts gelesen, mir zwei, drei Tipps und Kniffe gemerkt und mich schließlich mit meiner Kamera und meinem Freund, der sich als Model zur Verfügung gestellt hat (trotz großen Hungers!), auf den Weg zum Foto-Shotoing im Sonnenuntergang gemacht. Ein paar Tipps zu Gegenlichtaufnahmen kann ich nach diesem Shooting bereits selbst geben. Gleichwohl muss ich natürlich selbst noch viel zu diesem Thema lernen.

Gegenlichtaufnahme / Backlit Portrait
Gegenlichtfotografie: der richtige Ort

Entstanden sind meine Bilder an Ben Buckler Point, einem hoch gelegenen Felsgestein am Nordende von Bondi Beach in Sydney. Die Sonne ging im Südwesten unter, wodurch das Licht genau von hinten auf Jan strahlte.
Bei der Wahl des Ortes ist wichtig, dass das Licht frei von hinten (am besten seitlich von hinten) auf das Objekt fällt, das man fotografieren möchte. Eine weite, freie Fläche wie ein Feld, eine Lichtung im Wald oder ein großer Garten bildet ein prima Setting. In unserem Fall gab es hinter dem Felsvorsprung durch das Meer eine etwa einen Kilometer lange und sehr breite offene Fläche.

Gegenlichtfotografie: die beste Zeit

Die Sonne muss tief am Himmel stehen. Das ist in der Regel eine Stunde unmittelbar nach Sonnenaufgang und eine Stunde vor Sonnenuntergang der Fall. Diese Zeit wird jeweils goldene Stunde genannt, da das Sonnenlicht durch die niedrige Position der Sonne im Verhältnis zur Erde besonders warm ist. An sonnigen Tagen glüht der Himmel in den ersten Minuten nach Aufgang bzw. Untergang der Sonne förmlich.
Im Winter hat man in Deutschland häufig ganze Nachmittage für Gegenlicht-Aufnahmen zur Verfügung, weil die Sonne zu dieser Jahreszeit nie wirklich hoch steht.

Gegenlichtfotografie: die richtige Position des Objekts

Man kann Gegenlichtaufnahmen im wahrsten Wortsinne so aufnehmen, dass das Licht das Objekt, das man fotografieren möchte, von hinten anstrahlt. Das erzeugt zwar den gewünschten Effekt des leuchtenden Randes um das Objekt herum. Es führt aber auch dazu, dass das Objekt häufig zu dunkel gerät, während der Hintergrund hilflos überbelichtet ist.
Bei Gegenlichtaufnahmen sollte das Licht idealerweise von schräg hinten in das Bild fallen, und zwar so, dass die Sonne selbst nicht Teil des Bildes ist.

Gegenlicht-Porträt / Backlit Portrait
Gegenlichtfotografie: das richtige Objektiv

Ein gutes Objektiv für Gegenlichtporträts ist ein Objektiv mit hoher Brennweite und großer Blendenöffnung (kleiner Blendenwert, z.B. f1.8). Ich habe mit meinem Teleobjetiv 70-200mm 1:2,8 von Sigma gearbeitet. Bei langen Brennweiten kann man mit weit geöffneter Blende seine Zielobjekte sehr schön freistellen. Ich mag den Effekt geringer Schärfentiefe und weichen Bokehs bei Porträts sehr gerne, das ist aber natürlich Geschmacksache. In einem anderen Shooting habe ich ein 35mm-Objektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von f1,8 benutzt. Das hat für meinen Geschmack auch gut funktioniert.

Gegenlichtfotografie: die richtigen Kameraeinstellungen

Bei Gegenlichtaufnahmen sind manuelle Kameraeinstellungen gefragt. Ohne geht es nicht. Ich habe es anfangs mit der Blendenvorwahl versucht. Da die Kamera die passende Belichtungszeit errechnen musste und ja nicht „wusste“, welchen Effekt ich erzielen wollte, sind die Bilder allesamt etwas zu dunkel ausgefallen.

ISO

Der ISO-Wert sollte meiner Meinung nach möglichst niedrig liegen. Ich habe mit meiner Nikon-DSLR auf ISO200, L0,3 (entspricht ISO160), L0,7 (entspricht ISO125) und L1,0 (entspricht ISO 100) fotografiert.

Blende

Wer sein Objekt freistellen möchte, wählt eine offene Blende, das heißt einen geringen f-Wert, zum Beispiel f1,8 oder in meinem Fall f2,8.

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit habe ich relativ zur Blende so gewählt, dass die Belcihtungsmessung der Kamera eine leichte Überbelichtung angezeigt hat. Zusätzlich habe die Belichtungskorrektur der Kamera hinzugeschaltet, die das Bild jeweils um die Werte 0,3 -1,0 aufgehellt hat. Das führte zu teils sehr, sehr hellen Bildern, die manche Betrachter vielleicht als „überbelichtet“ im negativen Sinne bewerten würden. Ich wollte jedoch genau diesen Effekt erzielen.

Gegenlicht-Porträt / Backlit Portrait
Fokus

Hier habe ich den mauellen Fokus gewählt, da der Autofokus sich bei Gegenlicht ständig verirrt. Wer ein Stativ hat, kann dieses nutzen. Es hilft sehr viel, wenn das Objekt sich nicht bewegt und somit der Abstand zwischen Kamera und Objekt gleich bleibt. In diesem Fall kann man die Sonne während der Fokusmessung blockieren (einfach die Hand vor die sonne halten), den Fokus korrekt setzen und schließlich scharfe Aufnahmen erzielen.
Ich hatte kein Stativ und das Gegenlicht war so stark, dass ich die Einstellungsanzeige durch den Sucher nicht lesen konnte. Dass ich auch die Anzeige auf dem Display hätte nutzen können, ist mir erst später eingefallen. Aber selbst das hätte für die Fokussierung keinen Vorteil gebracht. Was ich gebraucht hätte, wäre ein Assistent gewesen, der das Sonnenlicht für die Fokusermittlung blockiert. Oder: Ich hätte das Objekt (meinen Freund) so ins rechte Licht rücken müssen, dass die Sonne weiter seitlich gestrahlt hätte. Das ist mir aber erst nachher eingefallen, so dass ich schon wieder einen Aspekt gefunden habe, den ich beim nächsten Mal verbessern werde.
Bei diesem Bild zum Beispiel ist das Gesicht nicht scharf – und leider auch sonst nichts. Allenfalls das Geländer unten links. Aber das zeigt mir: Es geht noch deutlich besser!

Gegenlicht-Porträt / Backlit Portrait
Belichtungsmessung

Hier eignet sich die Spot-Messung am besten. Mit dieser lässt sich genau bestimmen, auf welchen Teil des Bildes die von euch gewählten Einstellungen angewendet werden sollen. Hintergrund und Vordergrund werden dabei vernachlässigt. Bei der Spotmessung müsst Ihr zwar bei jedem Foto genau Acht geben, wo Euer Spot sitzt. Aber so vermeidet Ihr einen vermutlich mehr schlechten als rechten Kompromiss aus Belichtungen für mehrere Bereiche des Bildes.

Weitere Tipps für gute Gegenlicht-Fotos

Sonnenblende

Eine Sonnenblende hilft beim Fokussieren. Wer keine Sonnenblende hat, hält die Hand beim Fokussieren über das Objektiv. Wer nun den Auslöser bis zum ersten Anschlagpunkt gedrückt hält, so dass der Autofokus bleibt, wo er sein soll, und dann die Hand wieder wegnimmt, erzielt den Effekt, dass Lichtschleier und bunte Flecken ins Bild geraten können. Ist sicherlich Geschmackssache, ob man das haben möchte.

Selbst im Schatten stehen

Wer selbst aus dem Schatten heraus fotografiert, hat weniger Probleme beim Setzen der gewünschten Kameraeinstellungen. Mir hätte das sehr geholfen.

Sich helfen lassen

Wenn sich ein guter Freund anbietet, beim Fotoshooting auszuhelfen, ist das immer Gold wert, finde ich. Vielleicht hält der „Assistent“ ja einen Schirm über den Fotografen und die Kamera, um Schatten zu erzeugen, wo keiner ist, blockiert die Sonne bei der Fokusmessung oder hält das Model bei Laune, wenn’s mal etwas länger dauert.

Nachbearbeitung

Ich habe die Fotos in Lightroom 4 entwickelt. Standardmäßig habe ich Wärme ins Bild gegegben, die Haut in Jans Gesicht etwas weicher gezeichnet, den Kontrast erhöht, Schwarz und Weiß angepasst und an der Gradationskurve herumgespielt, bis mir das Ergebnis gefallen hat. Hier ein Beispiel von einem Bild vor der Entwicklung in Lightroom und dem Ergebnis.

Porträt Gegenlicht vorher nachher
Fazit

Für mein ersten Gegenlicht-Porträt-Shooting bin ich sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Vor allem, weil mir einige konkrete Dinge aufgefallen sind, die ich beim nächsten Mal anders machen werde.
Man kann viel lesen, sich Tutorial-Videos anschauen und mit erfahreneren Fotografen austauschen. Der beste Lehrmeister ist und bleibt aber die Praxis. Wer selbst die Kamera in die Hand nimmt, verschiedene Einstellungen ausprobiert und im Anschluss die eigene Arbeit evaluiert, lernt schließlich am meisten. Vielleicht helfen ja hier auch Freunde oder erfahrenere Fotografen dabei, die Stellen herauszufinden, an denen man die eigene Technik noch verbessern kann.

Gegenlicht Porträt / Backlit Portrait

8 Kommentare

  1. Hallo und vielen Dank für die hilfreichen Tipps zum Thema Gegenlichtfotografie. Ganz besonders habe ich mich über die vielen Beispielfotos gefreut. Beste Grüße aus der Weltstadt, JG

  2. Liebe Sarah,
    die Fotos sind ja wohl mal der Hammer! Da kann man echt neidisch werden, der Sommer in Australien ist wirklich toll. Ich war damals leider im Mai dort, der Schönheit des Landes hat das aber definitiv keinen Abbruch getan. Wenn es mich irgendwann mal wieder zurück verschlägt, nutz ich die goldene Stunde und denke an deine Tipps 😉
    Liebe Grüße, Mia

    • Sarah

      Liebe Mia!

      Vielen Dank für deine lieben Worte! Es ist wirklich toll hier, da hast du schon recht. Die schönsten Aufnahmen in der Goldenen Stunde habe ich an einem Wintermorgen gemacht – da braucht die Sonne einfach ein wenig länger, bis sie schließlich hoch am Himmel steht. Ich drücke dir de Däumchen, dass du nochmal herkommen kannst.

      Viele Grüße von
      Sarah

  3. Jana Wersch sagt

    Ganz tolle Fotos Sarah, bin durch Kwerfeldein auf Deinem Blog gelandet.
    …und wie es der Zufall will, Australien, Fotografie, Vegan :-) Ich durfte im Dezember kurz die Westküste in Down Under kennenlernen und habe in Busselten zum Ironman für einen befreundeten TriathlonProfi Fotos machen dürfen.
    Landschaft und Menschen haben nebenher einen unwahrscheinlich tiefen Eindruck bei mir hinterlassen und nun plane ich schon den zweiten, dann aber längeren, Trip.
    Danke für Deine Foto-, Reise- und Futtertipps, ich schaue jetzt regelmäßig hier vorbei!

    VG nach Down Under
    Jana

    • Sarah

      Liebe Jana, vielen lieben Dank für dein tolles Feedback! Habe mich sehr, sehr darüber gefreut! Ich kann verstehen, dass dich Australien beeindruckt hat. Vor allem der Westen und die Südküste wirken bei mir noch nach. Dazu gibt’s demnächst auch Beiträge – arbeite gerade an den Fotos. Busselton kenne ich nicht – fotografierst du professionell? Ich wünsche dir eine tolle Zeit bei deiner nächsten Reise nach Down Under. Würde mich freuen, auch Fotos von dir zu sehen, Hast du eine Webseite? Liebe Grüße :-)

      • Hi Sarah,
        nein ich fotografiere nicht professionell. Ich bin im Bereich Grafik, Design/Web selbstständig bzw. arbeite für eine Werbeagentur.
        Fotografisch bin ich hauptsächlich im Sport unterwegs (Triathlon- ich war auch mal so eine Verrückte, aber im Spaßbereich), werde da manchmal von Online-Portalen für Veranstaltungen gebucht oder eben von Sportlern privat. Manchmal helfe ich einem Profifotografen im Finisherservice, aber alles hauptsächlich nur zum Spaß. Ich probiere mich in den verschiedensten Bereichen der Fotografie, bin auch für alles offen nur Hochzeiten u.ä. gehen überhaupt nicht, das kann ich einfach nicht.
        Fotos von mir sind derzeit hauptsächlich auf Facebook zu sehen, da mich da aber die Qualität stört und mich Sportler fragen wo sie meine Fotos von sich kaufen können, habe ich mich nach langem hin und her endlich entschlossen etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, aber es fehlt einfach die Zeit die ganze Sache zu bestücken bzw. steht die Saison 2015 erst an.
        Hier kannst Du stöbern, aber wie gesagt ich bin kein Profi, habe einfach nur Spaß an der Sache und die Webseite steht auf Anfang!
        http://www.jundpicture.com / auf meiner privaten FB-Seite „Jana Wersch“ oder auf FB „Jundpicture-Jana Wersch“
        Alles bissel bunt und wild durcheinander 😉

        Viel Spaß und viele Grüße, bin gespannt auf Deine neuen Bilder.
        …und werde dann sicher wieder unheimliches Fernweh bekommen!
        Ich lese übrigens gerade ein Buch von Julia Jungenhülsing „Ein Jahr in Australien“ Sie beschreibt ihre Reise in den australischen Alltag, lebt inzwischen in Sydney und arbeitet als freie Journalistin und geht am Bondi Beach surfen! 😉

        • Sarah

          Hallo Jana,
          danke für die Links – ich habe eben schon vorbeigeschaut und ein paar Worte dagelassen :-)
          Das Buch von Julica Jungehülsing habe ich auch gelesen – und rate mal, wozu es mich gebracht hat? Weil dieses verhältnismäßig kleine Büchlein einen so großen Eindruck auf mich gemacht hat, habe ich Julica einmal angeschrieben, um ihr das mitzuteilen. Und siehe da, wir wohnten dreißig Meter von einander entfernt in derselben Straße in Bondi Beach! Wahnsinn, was es für Zufälle gibt, oder?
          Viele Grüße nach Deutschland sendet
          Sarah

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