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Crossing the border: Von Western Australia nach South Australia

The Nullarbor Eyre Highway Roadsign

Wir fahren immer noch durch das australische Outback… Während der Fahrt nach Eucla, die immer noch durch das baumlose Land der Nullarbor Plains führt, versucht David, uns für das Border Village zu begeistern. „It’s cool guys, ‚coz, you know, you can jump back and forth in time or be in two timezones at the same time while at the same time standing in two different states.“ Um 90 Minuten verschiebt sich die Zeit vorwärts, wenn man von Western Australia nach South Australia einreist. Von einer Zeitzone in die nächste zu fahren statt zu fliegen, das hatte ich bisher noch nie getan – insofern war das schon etwas Besonderes. Zeitreisegefühle wollten sich bei mir dennoch nicht einstellen…

Boarder Station Western Australia and South Australia
Strenge Grenzkontrolle

Zunächst mussten wir den Grenzposten passieren. Streng kontrollierte man hier unser Gepäck auf verbotene Substanzen: unverpackte Lebensmittel – denn die könnten Fruchtfliegen verbergen oder Risikoträger für Schädlinge sein. Frisches Obst und Gemüse, Sandwiches und Schokolade hatten wir noch in Western Australia entsorgen oder aufessen müssen. Alles, was wir am Grenzposten noch dabei hatten, wurde konfisziert. Gnadenlos. Doch das gefällt mir an Australien. Nicht nur bei der Einreise aus dem Ausland wird strengstens darauf geachtet, dass man keine Bio-Schädlinge einführt. Auch im eigenen Land ist man konsequent. Und das nicht ohne Grund: Die Australier haben schmerzlich lernen müssen, ihre Flora und Fauna zu schützen. Zum Beispiel nachdem man Haustiere wie Katzen und Hunde aus Europa eingeführt hatte, die die endemischen Tierarten, die solchen Fressfeinden nichts entgegenzusetzen hatten, stark dezimierten  oder sogar vernichteten. Das Quokka, ein kleines Beuteltierchen, das heute in einer Kolonie auf Rottnest Island anzutreffen ist, ist so ein Beispiel.

Vastness of the Endless Nullarbor Plains
Auf wilde Kaninchen folgen wandernde Dünen

Im Bundesstaat Victoria kam 1859 Thomas Austin auf die fantastische Idee, 24 aus seiner Heimat England importierte Kaninchen freizulassen – damit Herr Austin seinem Hobby, dem Jagen, nachgehen konnte. Die Kaninchen entwischten, bevor Austin seine Flinte heben konnte, vermehrten sich kaninchengetreu üppig und rasch und in kurzer Zeit bevölkerten zahlreiche Kaninchen den australischen Süden. Diese Kaninchen erfreuten sich am Gras und den jungen Trieben der Pflanzen, fraßen, fraßen und fraßen und vermehrten sich entsprechend.

Heute gelten die Kaninchen als die größte Plage Australiens, erzählte und David, und man weist den Kaninchen sogar den Schwarzen Peter zu, den größten ökologischen Schaden des ganzen Kontinents verursacht haben. Vor allem Erosion ist in diesem Zusammenhang ein Problem: Denn die Kaninchen haben vermehrt das gefressen, was ihnen am besten geschmeckt hat: die Wurzeln und jungen Triebe der Pflanzen. Und wo keine Pflanzen mehr stehen, ist der Boden nicht mehr vor Erosion geschützt.

In Western Australia haben wir einen betroffenen Landabschnitt besucht: die ehemalige Telegraphenstation bei Eucla. Hier fanden wir inmitten einer Dünenlandschaft die Ruinen der alten Funkgebäude. Dadurch dass Kaninchen die Dünenvegetation weggefraßen, verloren die Dünen ihren Halt, begannen zu wandern und begraben nun Tag für Tag ein Stückchen Land – und eben die Telegraphenstation – mehr unter ihrem Sand.

Eucla Road Sign

Eucla City

Abgesehen davon ist Eucla wie alle Outback-„Städtchen“: Eine Tankstelle, ein Grocery Store, ein Motel mit Camping-Platz und Kinderspielplatz. Und natürlich die obligatorischen Riesenfiguren. Diesmal dabei: ein Wal und Riesen-Känguru Rooey. Inzwischen mag ich diese typischen Outback-Eigenheiten. Ich werde sogar ein wenig sentimental bei dem Gedanken, diese bald wieder gegen Zivilisationsluxus einzutauschen. Doch bevor es so weit ist, genieße ich unseren Roadtrip lieber noch.

Eucla Giant Whale Statue

Eucla Giant Kangaroo Statue

An Roadtrains vorbei geht es weiter gen Osten. Der Überholweg eines 30 Meter langen LKW-Gespanns ist beachtlich. Wir Europäer sind immer wieder beeindruckt, David hingegen zockelt gemütlich an diesem oder jenem Roadtrain vorbei. Auf dem Eyre Highway kann man sich mit dem Überholen schließlich Zeit lassen: Gegenverkehr gibt es ohnehin kaum.

Roadtrain in Eucla

Nullarbor National Park – Zeit für die obligatorische Selbstfindung auf einer jeden Reise 😉

Und dann endlich erreichen wir den Nullarbor National Park – und damit die echte Ödnis. Ich meine die öde Leere, das Nichts, ein Stück plattes Land, in dem, so weit das Auge reicht, nichts durch Größe, Form oder Farbe heraussticht. Wo nichts das Auge reizt, kein optischer Akzent das Auge erfreut, wo kein Gewächs höher reicht als bis zur eigenen Hüfte.
Ich war wohl fälschlicherweise davon ausgegangen, dass wir die vergangenen zwei Tage bereits in der Ödnis verbracht hatten.
Der Nullarbor National Park jedoch ist nochmal anders, nochmal karger und nochmal lebensfeindlicher. Das alles ist jedoch keineswegs negativ gemeint. Es ist nur ein weiteres Outback-Erlebnis, eine weitere extreme Erfahrung, die meine Perspektive zurecht gerückt hat. Und genau das ist es, was ich am Reisen so liebe: dass man lernt, wie das Leben auch sein könnte, was man am eigenen „Selbstverständlichen“ schätzen sollte, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass ich den Luxus habe, solche Extremerfahrungen machen zu dürfen, so viel zu reisen, und, und, und…
Zwar hatte ich vor meiner Reise durch das australische Outback schon die gesamte Ostküste des Landes bereist, hatte Melbourne gesehen, war segeln und hatte Offroad-Touren mitgemacht. Doch erst in der Weite der Wüste, in der Ruhe des Outbacks ist mir das alles bewusst geworden. Wieviel ich gesehen hatte, wie weit ich gekommen war. Ob es daran lag, dass hier die äußeren Reize fehlten, die ich zuvor im Überfluss konsumiert hatte? Dass der Kontrast zum vorher Erlebten hier nicht deutlicher hätte sein können?
Ich weiß es nicht – vielleicht muss man die Atmosphäre einer Wüste erfahren, um zu wissen, wovon ich spreche. Es kommt mir ein bisschen so vor wie das, was Menschen von wochenlangen Wanderungen oder vom Ausdauersport berichten: dass etwas Meditatives in diesem Erlebnis steckt. Und wem das zu esoterisch klingt, der kann sich vielleicht mit dem Begriff „Abenteuerliches“ oder schlichtweg mit dem „Neuen“ anfreunden.

Für mich jedenfalls war die Nullarbor-Tour ein einprägsames Erlebnis. Eine Reise, die ich jedem ans Herz legen würde.

Nullarbor National Park

2 Kommentare

  1. Wunderbare Fotos…wie immer. Mir gefallen vor allem das erste Foto (die Schilder finde ich witzig) und das letzte…die Landschaft ist wirklich toll.

    • Sarah

      Liebe Diana,
      vielen lieben Dank! Die Landschaft ist auch wirklich einzigartig. Sehr beeindruckend und gar nicht langweilig, wie man sich eine Wüste vielleicht bisweilen vorstellt. Und die Schilder haben auch tatsächlich ihre Daseinsberechtigung: Man sieht in der Dämmerung immer wieder Kängurus und andere Tiere. Kamele sind mir zwar nicht begegnet, aber einen Wombat habe ich gesehen – leider war der überfahren worden. Ich würde sogar behaupten, dass in den Abend- und Morgenstunden mehr Tiere über den Eyre Highway hüpfen und laufen als Autos – zumindest auf bestimmten Abschnitten 😉
      Liebe Grüße von
      Sarah

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