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Cape Hillsborough National Park: Frühstück mit Kängurus

Cape Hillsborough Kangaroos (5 von 19)

Es ist ein warmer Donnerstagmorgen in Queensland. Einige Kookaburras lachen schallend im Geäst der Bäume im Nationalpark und sorgen verlässlich dafür, dass die Gäste in ihren Camps noch vor Sonnenaufgang erwachen. Australiens freundliche Vögel meinen es sicher gut mit den Urlaubern. Denn die größte Attraktion des Nationalparks am Pazifik erlebt nur, wer früh auf den Beinen und vor Sonnenaufgang am Strand ist. Einzig zu dieser frühen Stunde nämlich tummeln sich Kängurus und Wallabies am Strand – ein Bild, das man als Australienreisender natürlich unbedingt, auf jeden (!) Fall, kosteeswaseswolle gesehen haben möchte. 

Uns kostet der Spaß nicht mehr als die Gebühr für den Campingplatz. Und so kommt es, dass auch mein Freund und ich morgens im Zelt den Kookaburras im Halbschlaf lauschen, uns halb über das inbrünstige Gelächter amüsieren, halb über den Lärm ärgern, und dann in Nullkommanix aus dem Zelt geklettert sind, als der richtige“ Wecker klingelt und uns signalisiert, dass es Zeit für ein Frühstück mit Kängurus ist. Im Schlafanzug hasten wir zum Strand. Zumindest ich versuche erst gar nicht, meine Aufregung zu verbergen. Doch dann muss auch ich mich beherrschen: Je näher wir dem Strand kommen, desto ruhiger müssen wir uns verhalten, um die brunchende Beuteltierbande nicht zu verscheuchen. Spätestens hinter dem natürlichen Grünstreifen vor dem Sand ist absolute Stille geboten. Wir schleichen voran. Die Sonne hat den Himmel inzwischen in ein warmes Orangerot getaucht. Ein Blick nach Osten: Da sind sie! Etwa zwanzig Eastern Grey Kangaroos und Swamp Wallabies tummeln sich eng beieinander und schnuppern hier und dort im Sand. Umwerfend! Das Tierliebhaberherz in mir schlägt schneller.
 


Für diesen Anblick hat sich das frühe Aufstehen mehr als gelohnt (den Kookaburras sei Dank). Wir beobachten die Tiere aus einigen Metern Entfernung, weder von uns noch von der Handvoll weiterer Strandbesucher lassen sie sich aus der Ruhe bringen. Ich bin total begeistert, diese wunderschönen Aussie Favourites so entspannt in der Freiheit bei einer für sie alltäglichen Beschäftigung zu beobachten. Dass die freundliche Roo-Gruppe meinen Tag gerade zu einem ganz und gar nicht alltäglichen gemacht hat, merkt keines der Tiere
Ich bemerke indes vor lauter Kängurufieber und Fotografieren kaum, dass die Sonne inzwischen aufgegangen ist und die Bucht vor Wedge Island in goldenes Sonnenlicht taucht. Noch ein paar Minuten bleiben wir am Strand, dann hüpft ein Känguru nach dem anderen davon, hinein in den kühleren Bush des Nationalparks. Hier machen es sich die Damen und Herren Beuteltiere im Schatten gemütlich, bis die Temperaturen um den Sonnenuntergang wieder erträglich werden.

Für uns hat der aktive Teil des Tages gerade erst begonnen. Nach einem flotten Frühstück zwängen wir unsere Füße bei 31 Grad und Sonnenschein widerstrebend in geschlossene Wanderschuhe. Schlangen lauern im australischen Bush schließlich überall – da ist festes Schuhwerk ein Muss. Wir wollen heute rauf zu Andrew’s Point. Mit zwei Litern Wasser im Gepäck stiefeln wir über Gestein, durch Grasland und schmale Felsschluchten. Im tropischen Queensland wird selbst im Winter jeder Schritt unter der gleißenden Sonne zum Kraftakt. Mich treibt die Aussicht auf ein fruchtiges Wassereis voran, außerdem hoffe ich auf australientypische, einmalige Aussicht, sobald wir die Kuppe der Felskette erklommen haben. Doch zuvor müssen wir die unzähligen Stufen bezwingen, die sich umgeben von Farnen, Palmen, Eukalyptus und mannshohen Gräsern vor uns auftun. 

Bei all dem Grün befürchte ich zunächst eine hitzebedingte Halluzination, als plötzlich blaue Punkte in meinem Gesichtsfeld hin- und herflattern. Doch bei näherem Hinsehen entpuppen sich diese als blaue Schmetterlinge. Die Blue Tiger Butterflies tanzen leichtflüglig im schattigen Schutz der Pflanzen auf und ab – offenbar herrscht Paarungszeit. Für eine Deutsche, die zu Hause im Sommer vielleicht hin und wieder einen Kohlweißling oder ein Tagpfauenauge zu sehen bekommt, ist dieser Anblick von hunderten von knallig farbigen Schmetterlingen ein Traum. Kaum wage ich, durch den Schmetterlingsvorhang hindurchzugehen, um die zarten Tiere nicht zu stören. Wer Schmetterlinge beobachten möchte, dem sei der Cape Hillsborough National Park wärmstens ans Herz gelegt. Insgesamt sind hier 25 Schmetterlingsarten heimisch, so dass es mal gelb, mal grün, mal weiß, kurzum: in allen Farben des Regenbogens schillert.

Beschwingt von all dem Geflattere fühlen sich auch meine Beine plötzlich leicht an und ich tänzle über Stock und Stein weiter bis zum Andrew’s Point Lookout. Queenslands Nationalparks schaffen es immer wieder, mich von den Socken zu hauen. Bei jedem (wirklich jedem!) Nationalpark habe ich das Gefühl, die Natur setzt noch eins drauf: Das Meer erscheint blauer, die Strände länger, der Horizont endlos. Die Landschaft ist fast übernatürlich schön. Ein paar kleine Inseln schlummern vor der Küste vor sich hin. Bei dem endlosen Panorama bilde ich mir ein, sogar die 100 Kilometer nördlich gelegenen Whitsunday Islands, die wir in den nächsten Tagen besuchen möchten, sehen zu können. Das ist natürlich Quatsch – aber wie gesagt, bei diesem Anblick verliert man sich leicht in den wildesten Tagträumen. 


Als wir am Strand ankommen, ist Ebbe. Zum Glück, denn nur bei niedrigem Wasserstand erreichen wir die Spitze der kleinen Landzunge am Kap. Über sehr schroffes Vulkangestein und scharfe Muschelschalen kraxeln wir durch die teils algenbewachsenen und feuchten, teils kargen und trockenen Felsen. Ganz schön halsbrecherisch, aber wenn der Entdeckergeist einmal geweckt ist, fällt es mir unheimlich schwer, ihn  zu stillen. Mit Händen und Füßen suchen wir nach Ausbuchtungen, in denen wir uns beim Felsaufstieg festkrallen können. Ein wenig sorge ich mich um die Kamera, die um meinen Hals baumelt. Deshalb lasse ich es schließlich gut sein mit dem Felsaufstieg, als ich einen tollen Aussichtspunkt über dem Meer erreiche. Hier lasse ich mich für ein Weilchen nieder und genieße die wahnsinnig schöne Aussicht. 


Das Tolle an australischen Nationalparks ist, dass man oft ganz allein ist. Die meisten Parks sind so groß, dass sich die Besucher leicht in ihnen verlieren anstatt sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Hier kommt man der Natur nicht nur nahe, hier ist man mitten drin. 

 

Wieder zurück am Strand finden wir Känguruspuren und unzählige Sandkügelchen neben Löchern im Sand. Es dauert eine Weile, bis wir herausfinden, dass diese von kleinen Krabben produziert werden. Sand Baller Crabs verlieren bei Ebbe den Schutz durch das Wasser vor Fressfeinden. Deshalb rollen die cleveren Tierchen so viele Sandkügelchen in ihrer eigenen Körpergröße und -farbe, wie sie können, um die Aufmerksamkeit der räuberischen Möwen durch die Krabbenatrappen von sich abzulenken. (Leider habe ich kein Foto von diesem Sandkugelphänomen, aber bei Flickr habe ich einige schöne gefunden. Die solltet Ihr Euch mal ansehen.)

Wir genießen indes einfach den paradiesich tropischen Strand und freuen uns, dass wir noch zwei Tage an Cape Hillsborough verbringen dürfen. Hier erwarten uns zudem noch einige tierische Überraschungen: Auf einer Wanderung der nächsten Tage (Kamera war leider nicht mit dabei) treffen wir Schlangen und Kröten und zu meinem Leidwesen viel zu viele Sandmücken in den Mangrovenwäldern (deren Bisse sind böse – nichts als böse!!!). Eines Abends hören wir vom Zelt aus, wie etwas neben dem Zelt bewegt. Dann scheppert Glas, etwas ist umgefallen. Mutig stecken wir unsere Köpfe aus dem Vorzelt (bewaffnet mit Taschenlampe und Hammer – man weiß ja nie!) und stellen beruhigt fest, dass der nächtliche Störenfried ein kleines Possum ist (wer bitte hat den deutschen Namen Fuchskusu auf dem Gewissen?!?). Das hat unseren Mülleimer entdeckt, ihn umgestoßen und wühlt in aller Seelenruhe in unseren Abfällen. 
Auch als wir ihm näher kommen, um den Mülleimer vor dem sicheren Untergang durch Zerfetzen (und uns selbst vor dem Aufsammeln aller Mülleinzelteile) zu bewahren, setzt das Possum in aller Seenruhe seine Suchaktion fort. Es denkt gar nicht daran, sich aus dem Staub zu machen. Als mehrere seiner Versuche, in unser Zelt vorzudringen, scheitern, trollt es sich schließlich. Ein Fahnundungsfoto kann ich noch aufnehmen, dann ist das freche Tierchen in der Dunkelheit verschwunden. 

In derselben Nacht treffe ich auf dem Weg zum Waschraum ein Wallaby mit Baby neben unserem Auto an. Es steht dort herum, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Für das Wallaby ist es das vielleicht auch – für mich ist es helle Wahnsinn, inmitten so vieler „wilder“ Tiere zu schlafen. Draußen tollen in den Bäumen außerdem mindestens drei weitere Possums herum, von irgendwo ruft ein Vogel. Hätte ich nicht zufällig ins Bad gemusst, hätte ich nicht die Bohne von dem geschäftigen Treiben außerhalb unserer vier Zeltwände mitbekommen! Naturerlebnisse in Australien sind wirklich einmalig – und in Cape Hillsborough sammelt man ganz sicher einige unvergessliche Erfahrungen!

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