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Camping im Fitzgerald River National Park – oder: Was sind eigentlich Swags???

YFitzgerald River National park

Habt Ihr schon einmal von Swags gehört? Eben! Ich auch nicht – bis zu meiner Camping-Tour durch das australische Outback. Gewissenhaft habe ich vor der Buchung meiner Reise von Perth nach Adelaide eruiert, mit wem ich wann wie lange wo lang fahren würde, mit welchen Temperaturen in der Nacht zu rechnen sei, wie ich die Sache mit sauberem Trinkwasser regeln würde und so weiter und so fort. Recherchiert hatte ich außerdem, was wohl ein Swag sei. Schließlich würden wir in solchen Dingern übernachten. Das Wörterbuch stellte mich vor eine schwere Wahl: Koffer, Diebesbeute, Bettrolle, Girlande, Koffer. Das alles konnte Swag bedeuten. Wollte ich in einem Koffer schlafen? Oder mich in der Wüste in eine Girlande wickeln? Hmm, vielleicht war doch Googles Bildersuche die aufschlussreichere Alternative. War sie. Immerhin spuckte sie Treffer für Einmann-Schlauchzelte aus, sowas in dieser Art mit Dach und Insektenschutz oder sowas Schönes – darin zu schlafen, konnte ich mir wiederum sehr gut vorstellen. Doch dann kam alles anders.

East Mount Barren, Fitzgerald River National Park

Ein australisches Swag ist, so musste ich feststellen, nämlich eine ganz eigene Geschichte. Bettrolle trifft es noch am ehesten. Was Tourguide David an unserem ersten Campingplatz im Fitzgerald River National Park aus dem Hänger unseres Transporters schleuderte, waren sieben dicke Kunststoffrollen – denen man deutlichst ansah, dass sie schon viele Nächte im Outback verbracht hatten! Mit Gurten zusammengehalten und zum Bersten gespannt, entlockten diese Survival-Monster den Swag-Unerfahrenen unter uns zunächst ein verdutztes „WTF?!?!“ Der Tourguide wünschte uns viel Spaß, ermahnte uns, die Swags am nächsten Morgen bloß wieder vernünftig klein zusammen zu rollen – und verschwand. Die Fragezeichen auf unseren Gesichtern wurden mehr und sie wurden größer. Als sie den Zustand „fett, kursiv und unterstrichen“ erreicht hatten, trottete der zynisch-kautzige David wieder hinterm Laster hervor, lächelte genügsam, murmelte kopfschüttelnd ein „tourists“ vor sich hin und gab uns schließlich gnädigerweise eine kurze Einführung, was denn nun ein Swag ist und kann und wie man es nutzt.

Climbing East Mount Barren

Ein Sternenhimmel wie aus dem Bilderbuch

Und das ist eigentlich ganz einfach: aufrollen, Matratze beziehen, Schlafsack rein, Person rein, Reißverschlüsse zuziehen, fertig. Schlafen unter freiem Himmel… ziemlich cool! Ich war sofort begeistert! Nicht nur, dass das ausgepolsterte Swag echt bequem aussah. Ich war hin und weg von der Idee, im Nationalpark mitten im Nirgendwo unter freiem Himmel zu schlafen – könnt Ihr Euch vorstellen, was es da für einen Sternenhimmel gab?!?!?! Keine Lichtverschmutzung, kein Smog, kein Nebel, nur die dunkle Nacht und tausende heller Sterne! Das Herz der Milchstraße ist im Outback ganz deutlich zu sehen, dazu das Kreuz des Südens und zig andere fantastisch klar erkennbare Sternenbilder. Für ein Nordlicht wie mich eine wunderschöne und einzigartige Aussicht! Ich habe mich sehr geärgert, kein Stativ im Gepäck zu haben. Diese Ansicht hätte fantastische Astro-Fotos ergeben. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich bemerkt, dass sich das Bild des Sternenhimmels in der Nacht verändert – was aufgrund der Erdrotation natürlich logisch ist, worüber ich mir bislang jedoch keine Gedanken gemacht hatte.

Core of the Milky Way Australia (1 von 1)

Allein auf 3000 Quadratkilometern

Doch nicht nur bei Nacht war der Fitzgerald River National Park eine Schönheit. Nach den Aktivitäten des Tages war ich grundglücklich, im Nationalpark angekommen zu sein. Hier war es ruhig und wir hatten knapp 3000 Quadratkilometer pure Natur fast für uns. Ein einziges Auto hatten wir im gesamten Park passiert, ein Zelt gesehen. Nur unsere kleine Reisegruppe, ein endlos langer Strand, an dem wir unzählige Shiva-Augen fanden, und wir. Naja, und David. Und nachtaktive Stech-Insekten. Aber die sollten uns erst in der Nacht heimsuchen, so dass wir zunächst den 451 Meter hohen East Mount Barren bestiegen – was eine Aussicht! -, am Strand den Sonnenuntergang über Western Australias Küste besangen und schließlich hundemüde aber glücklich zum Abendessen übergingen. Hungrig waren wir nach dem steilen Aufstieg bei über 30 Grad auf jeden Fall. Aber egal wie müde und erschöpft ich war,  und egal, wie oft ich beim Kraxeln über Steine und Wurzeln fluchte – die Aussicht vom „Gipfel“ des East Mount Barren war spektakulär.

Milky Way as seen from Australia

Unser Swag-Lager schlugen wir zwischen ein paar Büschen auf, in strategisch günstiger Lage zur Plumpsklo und Windrichtung. Während der ein oder andere sich um Spinnen- und Schlangenbesuch im Swag sorgte, machten mir die abgekündigten acht Grad Nachttemperatur Sorge. Etwas skeptisch krabbelte ich dick eingepackt in mehrere Lagen Kleidung in meinen Schlafsack im Swag. In der Tat gar nicht so unbequem – nur die Sache mit dem Kopfdeckel gab mir noch Rätsel auf. Im Prinzip blieben zwei Möglichkeiten: mit unbedecktem Gesicht schlafen (könnte kalt werden, bietet aber diese grandiose Aussicht auf den tollen Sternenhimmel, bevor man einschläft) oder den Deckel umschlagen (wärmer, schützt vor Insekten und ein wenig unangenehm zum Luftholen, denn dieser einfach gestrickte Deckel liegt tatsächlich platt auf der Nase!). Ich entschied mich für ein offenes Verdeck, bewunderte die Sterne und schlief den besten Schlaf seit Langem! Nach der ersten Nacht im Swag war ich ein Fan von dieser Art des Campens. Zwar wurde es nachts wirklich kalt, doch mein Schlafsack hielt mich mollig warm. 

Me in an Australian swag

Die große Überraschung erwartete uns am nächsten Morgen. Aufstehen um sechs, Frühstück machen, Swags einrollen -soweit lief alles nach Plan. Doch als die Sonne sich zeigte und unsere Haut erwärmte, wurde gleichzeitig das „Gift aktiviert“, das uns abermillionen Stechinsekten (was auch immer das war!) heimtückisch injiziert hatten, während wir glückselig unter dem Kreuz des Südens schlummerten. Von da an wusste ich: nie wieder ein offenes Verdeck! 

Zwar quälten uns die Stiche, doch das Jucken und Kratzen trat schnell in den Hintergrund, als wir unsere Reise zu einigen der eindrucksvollsten Naturschauplätze, die ich je gesehen habe, fortsetzten…

Fitzgerald River National Park at Dusk

 

 

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4 Kommentare

  1. Tolle Fotos und Bericht! Da werden gleich wieder Erinnerungen an Australien wach und das Fernweh geweckt. Nach den Ferien ist ja schliesslich auch vor den Ferien. 😉 Liebe Grüsse Sabrina

    • Sarah

      Vielen lieben Dank, Sabrina!

      Ach ja, dieses lästige Fernweh – das habe ich auch ununterbrochen. Habe sogar schon überlegt, mich deshalb krankschreiben zu lassen 😉

      Und du hast Recht: Nach den Ferien ist vor den Ferien – wenn doch nur die Zeit dazwischen nicht wäre!!!

      Aber für solche Fääle gibt es ja zum Glück hunderte schöner Reiseblogs 😀

      Liebe Grüße von
      Sarah

  2. Josi sagt

    Na, in so einem Zelt hätte ich aber auch lieber geschlafen als in einem Sack! Trotzdem scheint die Erfahrung toll gewesen zu sein. Immer schön, neue Arten des Reisens kennzulernen.
    LG, die Josi :-)

    • Sarah

      Hallo Josi,
      ja, eine einmalige Erfahrung war da in jedem Fall – und zwar eine, die ich nur empfehlen kann :-)
      LG und danke für dein Feedback!

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