Australien, Fernweh, Reisen
Schreibe einen Kommentar

Bondi to Coogee Coastal Walk: traumhafte Wanderung am Rande der Großstadt

Bondi Coogee Coastal Walk December 1200 (1 von 1)

Auf meiner Reise durch Australien habe ich eins nie verstanden: wie andere Reisende Sydney nicht mögen konnten. Sehr viel häufiger als einmal winkten ältere Australier, junge Backpacker und Menschen ab, als ich gerade zu einer Liebeserklärung an Australiens größte Stadt angesetzt hatte. „Groß, laut, dreckig“ lautete das niederschmetternde Urteil in den meisten Fällen. Einmal habe ich sogar gehört, dass Sydney „the worst part of Australia“ sei. Dass Sydney groß ist, ist keine Frage. Immerhin leben hier mit mehr als 4,5 Millionen Menschen rund 20 Prozent der australischen Bevölkerung.  All diese Menschen verteilen sich jedoch auf über 12 Quadratkilometer Stadtgebiet, so dass sich eine Bevölkerungsdichte von rund 372 Menschen pro Quadratkilometer ergibt.

Klingt nach viel? Dachte ich auch. Bis ich Bevölkerungsstatistiken deutscher Städte verglichen habe: In Berlin zum Beispiel kuscheln sich 3809 Menschen auf einem Quadratkilometer. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mag man es noch ein bisschen enger, da teilen sich 12400 Menschen einen Quadratkilometer. Unvorstellbare Zahlen für meinen Geschmack! Ob es in Sydney also ungemütlich eng ist, muss jeder nach persönlichem Empfinden beurteilen, denn statistisch gesehen ist schließlich alles halb so dramatisch. Dreckig ist es in Sydney keinesfalls. Ich würde sogar behaupten, dass Sydney eine der saubersten Metropolen ist, die ich je gesehen habe. Ständig läuft man Angestellten der Stadt über den Weg, die Müll aufsammeln. Und öffentliche Toiletten werden (gefühlt) pro Tag ebenfalls häufiger gereinigt und mit Toilettenpapier versorgt als ihre europäischen Kollegen.

Laut sei Sydney, ein weiterer Kritikpunkt. Stimmt auch, bezogen auf das Stadtzentrum (Central Business District, auch CBD abgekürzt). Hier herrscht natürlich viel Verkehr. Reisende und Einheimische wollen schließlich von A nach B transportiert werden und da Sydney keine U-Bahn hat, fährt eben Bus, Zug oder Taxi, wer möchte. Dass das laut ist, ist keine Frage. Aber auch die Lautstärke nimmt rapide ab, sobald man das CBD verlässt und sich ein wenig abseits von Opernhaus und Darling Harbour bewegt.

Busy Bondi Beach in Sydney

In den Küstenvororten im Osten oder Norden zum Beispiel ist von Großstadt-Flair keine Spur. Hier stehen beschauliche Holzhäuschen neben Mehrfamilienhäusern aus Backstein, großzügige Villen reihen sich an Art-Déco-Juwelen und riesige Gummibäume, Benjamine und Frangipani-Bäumchen säumen die Straßen.

Ich liebe Sydney unter anderem deshalb, weil man inmitten der Großstadt immer wieder auf Ruhe-Oasen trifft: den wunderschönen Hafen Port Jackson, den Botanischen Garten, den Hydepark, Observatory Hill mit der besten Aussicht auf die Harbour Bridge, den Sydney Harbour National Park mit seinen zahlreichen Wanderwegen und schließlich die beschaulichen Vororte am Meer.

Boardwalk Bondi to Coogee Coastal Walk

In einer halben Stunde Busfahrt zum Beispiel erreicht man vom Hyde Park im CBD aus Bondi Beach. An Australiens berühmtestem Strand kann man nicht nur Sonne tanken, surfen lernen und Hipster beobachten. Hier beginnt auch einer der schönsten Wanderwege Australiens: der Bondi to Coogee Coastal Walk.

Entlang der Küste führt der etwa 7 Kilometer lange Wanderweg vorbei an bizarren Sandsteinformationen mit Felszeichnungen der Aborigines, über Steilklippen und zu Sydneys anderen berühmten Stränden Tamarama und Bronte. Zum Teil führt der Wanderweg über einen Holzsteg, über Natursteinwege und durch Parks. Gerade für den ersten Teil von Bondi nach Tamarama sollte man mit Unebenheiten rechnen, die jedoch für „normal fitte“ Menschen keine Hürde darstellen sollten.

Erste Etappe: von Bondi nach Tamarama

Los geht’s am einen Kilometer langen Strand von Bondi. Sommer wie Winter tummeln sich hier  Sonnenanbeter, Surfer und Backpacker. In Bondi ist immer was los: Menschen führen ihre Hunde oder Kinder an der Promenade aus, machen Yoga im Park oder paddeln, surfen oder schwimmen im Meer. Sommer wie Winter!

Promade in Bondi Beach

Am Südende von Bondi Beach beginnt der Coastal Walk. Erstes Highlight ist der wunderschöne Meerwasser-Pool des Schwimmclubs Bondi Icebergs. Egal bei welchem Wetter ziehen seine Mitglieder und Besucher hier Bahn um Bahn, während bei entsprechendem Wetter das Meer dann und wann eine Welle in den Pool schickt. Ein Schwimmbad vor solcher Kulisse ist vor allem absolut verlockend für einen erfrischenden Sprung ins kühle Nass. Täuschen lassen darf man sich jedoch nicht vom einladenden Türkis des Wassers – die Wassertemperatur im Pool ist immer um einige Grad kälter als die des Meeres am Strand. Als ich bei meinem ersten Besuch die vom Meer gewohnten 21 Grad Wassertemperatur auch im Icebergs Pool erwartete, wurde ich arg enttäuscht, als dieser mich mit empfindlich kühlen 16 Grad Wassertemperatur empfing.

Einen netten, älteren Herrn vom Schwimmclub, einen echten „Iceberg“, fragte ich nach dem Grund dafür. Er sagte mir, dass das Wasser wöchentlich ausgetauscht werde und außerdem viel tiefer sei und sich deshalb weniger stark aufheize als das vergleichweise flache Meer am Strand. Wenn das Wasser im Sommer also schon so kalt ist, wie eisig ist es dann erst im Winter? Den Namen des Clubs jedenfalls finde ich seit diesem Gespräch total plausibel…

Bondi Icebergs Pool Sydney

Weiter geht’s den Küstenwanderweg entlang in Richtung Marks Park, dem höchsten Punkt im Süden von Bondi. Von hier aus hat man ungestörte Sicht auf Ben Buckler Point in Bondis Norden bis nach Malabar in Sydneys Süden. Über MacKenzie’s Bay, wo mutige Surfer ihre sportlichen Fähigkeiten unmittelbar vor einer Felswand testen, führt der Wanderweg nach Tamarama.

MacKenzie's Bay Sydney

Tamarama ist für zwei Eigenschaften berühmt: für sein VIP-Publikum (deshalb auch Glamarama genannt; auch wenn ich hier noch nie einen Promi gesehen habe) und für seine unberechenbaren Meeresströmungen. Tamarama gilt als gefährlichster Strand Australiens, Schwimmen ist hier häufig tabu. Für Surfer ist Tamarama eine Herausforderung wegen der großen Wellen bei gutem Swell und es macht Spaß, auch an weniger sonnigen Tagen den Jungs und Mädels beim Wellenreiten zuzuschauen.

Bondi Coogee Coastal Walk December 840 (12 von 35)

Mit etwas Glück trifft man in Tamarama oder Bronte übrigens zwei bunte Vögel: große, blau-gelbe Aras. Sie gehören einem Sydneysider und der führt sie hin und wieder aus zum Strand, um sie dort fliegen zu lassen und die Spaziergänger ein wenig zu unterhalten. Und die Aras, die scheinen die Aufmerksamkeit zu genießen, stauben sogar eine Banane von einem Passanten ab.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zweite Etappe: von Tamarama nach Bronte

Von Tamarama aus sind es nur wenige Minuten über den hoch gelegenen Klippenwanderweg bis Bronte Beach. Die Aussicht auf tosende Wellen und den pittoresken Park finde ich großartig. Kein Wunder, dass Sydneysider auch von Bronte The Beautiful sprechen.

Bondi Coogee Coastal Walk December 840 (16 von 35)

1903 wurde hier Australiens erster Surf Live Saving Club gegründet. Inzwischen patroullieren an allen Hauptbadestränden des Landes ehrenamtliche Rettungsschwimmer. Man erkennt sie an ihrer gelb-roten Arbeitskluft und den hübschen Badekäppchen :-)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Am Südende von Bronte Beach gibt es gleich zwei Pools: einen Rock Pool, der von natürlichen Steinen eingefasst ein prima Planschbecken für Kinder ist, und einen angelegten Swimming Pool vor den Steilfelsen, in dem man täglich kostenlos Bahnen ziehen kann. Wie beim Icebergs Pool in Bondi schaut auch hier ab und zu die Brandung den Schwimmern über die Schulter.

Rockpool at Bronte Beach in Sydney

Dritte Etappe: von Bronte über den Waverley Cemetery nach Clovelly

Nach Bronte führt der Coastal Walk über einen Holzsteg, der sich direkt an die Klippen schmiegt, zu einer historischen Besonderheit: dem Friedhof von Waverly. In 50.000 Gräbern ruhen hier auf rund 170.000 Quadratmetern nicht nur berühmte australische Persönlichkeiten wie der Dichter Henry Lawson, sondern auch zahlreiche Einwanderer der ersten Generation aus Großbritannien. Bei einem Spaziergang durch die Gräberreihen erinnern Namen wie O’Brien und McIntosh an die britische Herkunft der Menschen, die hier beerdigt sind. Deren Sterbedaten gehen häufig bis ins 19. Jahrhundert zurück. Als der Friedhof geplant wurde, hatte man das Ziel, eine ähnlich bedeutende Ruhestätte für Sydney zu schaffen, wie es etwa der Großfriedhof Père Lachaise in Paris ist. Zwar ruhen in Waverley nicht ganz so viele weltbedeutende Perönlichkeiten wie in Paris (Oscar Wilde, Jim Morrison, Frédéric Chopin…) – dafür ist die Aussicht vom Waverly Cemetery aus absolut unübertreffbar!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weiter geht es am perfekt gepflegten Grün des Clifftop Clovelly Bowling Club vorbei durch einen Park zur Bucht von Clovelly. Auch hier gibt es ein Seebad, einen kleinen Strand und ein nettes Strandcafé.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Vierte Etappe: von Clovelly nach Coogee

Als nächstes gelangt man nach Gordon’s Bay. Hier gibt es neben dem Bondi to Coogee Coastal Walk noch einen zweiten Wanderweg, und zwar unter Wasser. Wer schnorchelt oder taucht, kann hier entlang eines unter Wasser angebrachten Kettenleitsystems die Artenvielfalt der Tasmanischen See erkunden. Für die 600 Meter lange Strecke benötigt man ungefähr 40 Minuten. An der tiefsten Stelle ist der Weg 14 Meter tief –  Taucher dürften sich also etwas mehr von dem Weg erwarten als Schnorchler.

Gordon's Bay Sydney

Nach Gordon’s Bay wartet auch schon der lange Sandstrand von Coogee hinter der nächsten Ecke und damit das Ende des Küstenwanderweges. Coogee ist nicht so überfüllt wie Bondi und vor allem bei Familien beliebt. Auch hier gibt es einen Rockpool am Südende (das scheint an Sydneys Eastern Beaches zum guten Ton zu gehören), einen großzügigen Park und eine breite Promenade.

Coogee Beach in Sydney

An sommerlichen Tagen spielen und singen Straßenmusiker im Park, feiern Menschen in den Barbeque-Hütten Geburtstag oder braten faul in der Sonne. Seit 2014 gibt es in Coogee die erste Strandbibliothek Australiens. Wer seine Lektüre vergessen hat, leiht sich hier kurzerhand ein Buch aus oder lässt sein ausgelesenes für den nächsten Bücherwurm dort. Auch in Coogee gibt es starke Strömungen im Meer. Deshalb gilt auch hier: Schwimmen darf man nur  zwischen den gelb-roten Flaggen am Strand.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

In Coogee gibt es zahlreiche Fish’n’Chips-Buden, Eisdielen oder die in Sydney obligatorische Kaffeebar mit Soy Latte, Flat White oder Short Black. Wenn’s um Kaffee geht, verstehen Sydneys Baristas ihr Handwerk übrigens ausgezeichnet. Und wenn man einmal verstanden hat, wie die Kaffee-Nomenklatur gestrickt ist [Längenangabe (short oder long) + Farbe (black, white)], weiß man auch, dass man einen Latte Macchiato bekommt, wenn man einen Flat White bestellt und einen Espresso, wenn man Short Black ordert.

Von Coogee aus fahren Busse direkt ins CBD oder nach Bondi Junction, wo man in einen Zug oder Bus umsteigen kann. Alternativ kommt man natürlich auch zu Fuß wieder nach Bondi 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*