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Allein durch Australien: zwei Tage entlang der Great Ocean Road

Great Ocean Raod Scenery Victoria

Bei diesem Beitrag fällt es mir schwer, einen Einstieg zu finden. Denn entweder klingt der Eingangssatz nach Reiseführer oder nach Rosamunde Pilcher… Immerhin ist die Great Ocean Road eines der Top-Ziele in Australien und es wurde schon hundertfach über sie berichtet und wahrscheinlich noch häufiger von ihr geschwärmt! Und das zu recht: Die Great Ocean Road bietet jedem, der sie bereist, wunderschöne Ausblicke auf eine einmalig schöne Küstenlandschaft. Trotzdem – oder gerade deshalb – hat auch sie ihre Schattenseiten. Jedenfalls zur Hauptreisezeit.

Great Ocean Road Apostel

Von Melbourne aus bietet sich eine Tour entlang der „wildromantischen“ (Rosamunde!) Great Ocean Road in jedem Fall an. Klar, dass man da als Oz-Explorer (meist) nicht nein sagt. Ging mir genauso. Und auch du wirst bei der Planung deiner Reise nach Australien vielleicht die Great Ocean Road auf die Must-See-Liste gesetzt haben (Reiseführer!).
Sei dir der Tatsache bewusst, dass nicht nur du selbst diesen Plan hast, sondern außer dir noch zigtausend (!) weitere Touristen! Dann wirst du nicht so sehr überrascht wie ich, als ich im australischen Frühling eine 2-Tages-Tour entlang der Great Ocean Road mitgemacht habe, und der Besucherandrang unfassbar hoch war. Mit zahlreichen Touristen hatte ich zwar gerechnet – das kannte ich ja bereits von der Ostküste. Aber dass es so viele werden würden, hat mich doch ein wenig unvorbereitet getroffen. Denn aus wildromantisch wurde so ganz schnell ganz wild und gar nicht romantisch.

Great Ocean Road Scenery

Meine Tour startete an einem Samstag – ein ganz ungünstiger Tag, wie sich schnell herausstellen sollte. Denn neben dem mit zehn Plätzen verhältnismäßig kleinen Tourbus, mit dem ich unterwegs war, drängten sich zig größere Reisebusse (darunter nicht wenige rappelvolle Doppeldecker), Wohnmobile, Campervans und Mietwagen die schmale Küstenstraße entlang. Mit gemütlichem Cruisen und ausgiebigem Genießen der Landschaft hatte das nicht allzu viel zu tun.

Great Ocean Road Schneckenhaus
Straffer Zeitplan und tanzende Touristen

Unser Tourguide hatte zudem einen Plan mit mehreren Stops entlang der Straße, die wir systematisch nacheinander abarbeiteten. Die berühmten Apostel gehörten natürlich dazu, außerdem die London Bridge und Loch Ard Gorge – sowie das berühmte Eingangstor zur Great Ocean Road. Dieses ist an sich recht unspektakulär: Es besteht aus einigen miteinander verbundenen Holzbalken und einem „Great Ocean Road“-Schild.
Was ich viel interessanter fand als das Schild selbst, war, was es in den Menschen, die hier Rast machten, auslöste: Hier versuchten ein paar Asiaten, ein Foto zu stellen, in dem einer vermeintlich die Trägerbalken auf den Händen balanciert, dort wurde ein Gruppenfoto mit 25 lächelnden Rentnern geschossen (Schild im Hintergrund) und schließlich gab es besonders ambitionierte Touristen, die versuchten, die Holzbalken herauf zu klettern.

Great Ocean Road Entrance

Kurz gesagt: Die Great Ocean Road war so überladen mit Touristen, dass ich die „wildromantische“ Landschaft gar nicht richtig genießen konnte. Zudem hat unser Tourguide uns von einer Attraktion zur nächsten gejagt, so dass wir jeweils nur 10 bis 15 Minuten Zeit hatten, uns die Felsen und Strände anzuschauen. Viel zu wenig, meiner Meinung nach. Denn weil so viel Andrang an den Stellen herrschte, wo man ein schönes Foto machen konnte, musste man geduldig sein, bis man selbst an die Reihe kam, um aus der ersten Reihe zu fotografieren. Ich hätte so gerne etwas mehr Ruhe gehabt, um auch einmal zu einem der Strände hinabzusteigen und die eindrucksvollen Klippen und Buchten auf mich wirken zu lassen. Aber dazu war keine Zeit – außer bei Loch Ard Gorge, wo unser Guide mit uns gemeinsam in die kleine Bucht hinabstieg.  Und so wurde aus der Tour, die ich mir gemütlich und voller toller Natureindrücke vorgestellt hatte, ein Abarbeiten von Checklistenpunkten mit Zeit zum Knipsen eines Ich-war-da-Fotos, aber nicht zum „richtigen“ Fotografieren der tollen Landschaft. Schade.

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Butter bei die Fische: Lohnt sich denn die Great Ocean Road nun oder nicht?

Ja, auf jeden Fall! Auch wenn sich die Traumroute aus meiner Vorstellung als eine wenig romantische Massenveranstaltung entpuppt hatte, würde ich die Great Ocean Road jedem Australien-Reisenden ans Herz legen. Und ich habe immerhin auch Fotos ohne Touris machen können – dafür bin ich zum Teil jedoch zwischen Büsche geklettert, stand mit den Füßen im Wasser oder hing halb schwebend auf Geländern.
Ich vermute, dass meine Tour auch deshalb so stressig war, weil unser Tourguide ein straffes Programm einzuhalten hatte.  Wenn du mit dem eigenen Wagen unterwegs bist, kannst du dir überall so viel Zeit lassen, wie du möchtest. Das ist sicherlich ein riesengroßer Vorteil!!! Und ein Tag unter der Woche ist sicher auch viel weniger überfüllt als ein Samstag oder Sonntag.

Great Ocean Road

1-Tages-Tour oder 2-Tages-Tour?

Ich hatte die 2-Tages-Tour mit zusätzlichem Besuch der Grampians gebucht. Warum? Weil die Lady im Peter-Pans-Reisebüro mir gesagt hatte, dass man bei zwei Tagen viel mehr von der Great Ocean Road sehe, weil man mehr Stopps unterwegs mache und obendrein noch die Grampians besichtigen würde. Und überhaupt wäre die Strecke sehr weit zu fahren, da könne man genauso gut noch die Grampians mitnehmen, für nur wenig Geld mehr wäre das praktisch ein dolles Schnäppchen. Herrje, was war ich naiv! Die Grampians waren schön, keine Frage, aber  von der Great Ocean Road habe ich genausoviel gesehen wie die Tagestouristen, da der zweite Tag ausschließlich in den Grampians bzw. im Bus stattfand – durch den Besuch des Nationalparks nämlich wurde die zurückzulegende Strecke von und bis Melbourne noch länger. Am zweiten Tag haben wir einen ganz hübschen Wasserfall und ein schönes Bergplateau besucht – und schließlich für die Rückfahrt nach Melbourne deutlich über vier Stunden gebraucht.

Seagull Loch Ard Gorge Great Ocean Road

Erfahrungen mit Wildlife Tours und Autopia Tours

Gebucht hatte ich bei Autopia Tours und durchgeführt würde der Ausflug schließlich von Wildlife Tours. Das wäre kein Problem gewesen, weil das Programm das gleiche war (außer der Übernachtungsstätte und des Essens, das angeblich bei Autopia hätte besser sein sollen, war alles identisch). Jedoch ist die Tour über Wildlife Tours mindestens 30 Dollar günstiger (bezogen auf die Katalogpreise vom Winter/Frühling 2014). Die anderen Teilnehmer hatten sogar alle noch weniger bezahlt – meist etwa 45 Dollar weniger als ich. Warum? Weil sie kurzfristig in Melbourne gebucht hatten – und nicht wie ich mehrere Wochen im Voraus. Wildlife Tours ist also durchaus zu empfehlen, Autopia eher nicht.
Ich hatte übrigens auch bei Autopia nachgefragt, ob man mir die Differenz vielleicht erstatten würde. Nö, sagten sie, denn ich hätte ja die Tour bekommen, die ich gebucht hatte. Aber sie wollten wir einen Gutschein für den Besuch des Eureka Skydecks in Melbourne spendieren, um mich nicht unglücklich zurück zu lassen – auf diesen warte ich bis heute!

Great Ocean Road

Melbourne-Adelaide – Weiterfahrt mit dem öffentlichen Bus

Einige Teilnehmer hatten die Melbourne-Adelaide-Tour gebucht, die in Melbourne beginnen und in Adelaide enden sollte. Ich hatte die Strecke Melbourne-Melbourne gebucht. Wir saßen alle im selben Bus und waren jeweils davon ausgegangen, dass uns der Bus nach Melbourne bzw. Adelaide bringen würde.
Während der Tour erst haben wir erfahren, dass die Leute, die nach Adelaide wollten, in Horsham in einen öffentlichen Bus umsteigen mussten (der wiederum 6 Stunden bis nach Adelaide brauchen sollte). Verständlicherweise waren die Adelaide-Leute darüber not very amused. Aber was sollten sie machen? Alternativen gab es schließlich nicht. Das finde ich nicht in Ordnung und das kenne ich auch Australien eigentlich nicht. Bei meinen übrigen Touren hat alles prima geklappt und war super organisiert.

Fazit

Die 1-Tages-Tour empfehle ich dir, wenn es dir „nur“ um die Great Ocean Road geht. Wenn du etwas mehr Zeit hast und mehr von Victoria sehen möchtest, eignet sich die 2-Tages-Tour besser. Wir haben zum Beispiel auch die Surf-Hotspots Torquay und Bells Beach besucht und eben die Grampians.

Great Ocean Road 840--25

6 Kommentare

  1. Timo sagt

    Ich bin vor ein paar Jahren die Great Ocean Road alleine mit dem Fahrrad entlang gefahren. Ich hatte mir 4 Wochen genommen um von Melbourne, entlang der Küste, nach Adelaide und im Hinterland zurück nach Melbourne zu radeln.
    Das war eine der tollsten Erfahrungen meines Lebens. Die Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit der meisten Australier ist überweltigend. Wer würde in Deutschland einen wildfremden Radler ansprechen, ihm eine Abendessen, Bett und Frühstück anbieten?
    Die Kulisse der GOR ist atemberaubend schön – Jeder der die Möglichkeit hat etwas mehr Zeit zu investieren um das auf sich wirken zu lassen sollte das tun.
    Das sind übrigens sehr schöne Fotos, Sarah!

    • Sarah

      Hi Timo!
      Wow – die Great Ocean Road mit dem Fahrrad abzufahren muss ja traumhaft sein! Zu welcher Jahreszeit hast du die Tour gemacht? Damit hast du mir nun einen Floh ins Ohr gesetzt… 😉 Ich habe viele, viele Fahrradreisende in Australien getroffen – und finde diese Art des langsamen, dafür aber sehr intensiven Reisens sehr spannend. Dass die Australier sehr hilfsbereit sind, kann ich bestätigen. Auf einer unserer Touren hat unser Guide einem Radler, der in der Nullarbor-Wüste eine Panne hatte, 40 km weit ein Ersatzteil hinterher gebracht, nachdem Reisende, die aus der Gegenrichtung kamen, und gebeten hatten, dem jungen Herrn zu helfen.
      Vielen Dank auch für dein tolles Feedback zu meinen Fotos – darüber freue ich mich wirklich sehr :-)!
      Viele liebe Grüße!

  2. Oh, der Bericht passt perfekt, denn ich mache mir schon ein paar Gedanken über meine kommende Australienreise (zwar erst in 1 1/2 Jahren, aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude ;-)) und ich würde auch unglaublich gerne die Great Ocean Road entlang fahren, bin mir aber auch noch nicht sicher wie, denn ich werde alleine reisen und aufgrund meines Alters ist ein Mietauto sicher nicht die beste Lösung, aber auf dieses schnelle Touriprogramm würde ich auch sehr gerne verzichten, mal sehen, wie ich das löse…
    Jedenfalls danke für den hilfreichen Bericht :-)
    Lg Ronja

    • Sarah

      Liebe Ronja,
      freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat! Du wirst die Great Ocean Road sicherlich lieben – ob mit Touri-Massen oder ohne. Denn schließlich behält man ja meist die guten Dinge in Erinnerunge. Und die Küste im Süden Victorias hinterlässst auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck. Vielleicht findest du auch jemanden, mit dem du gemeinsam die Great Ocean Road in einem eigenen Auto abfahren kannst. Wäre ich nicht zeitlich sehr eingeschränkt gewesen, hätte ich nach anderen Menschen gesucht, die dasselbe vorhatten. So oder so – ich wünsche dir eine tolle Australienreise! Nutze die Zeit der Vorfreude :-)
      Viele liebe Grüße von Sarah

    • Sarah

      Liebe Sabrina,
      Vielen lieben Dank für dein schönes Feedback! Mit der Entscheidung, die Great Ocean Road selbst zu fahren, habt Ihr sicher alles richtig gemacht. Wenn ich nicht allein unterwegs gewesen wäre, wäre das auch meine Wahl gewesen. Die Strecke ist einfach zu schön, um sie nicht ausgiebig zu genießen.
      Ganz liebe Grüße (mittlerweile aus Sri Lanka) von Sarah :-)

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