Als Frau allein durch Australien, Australien, Fernweh, Reisen
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Allein durch Australien: erster Halt Melbourne

St. Kilda Road Bridge Melbourne at Sunset

Melbourne war mein erstes Ziel, als ich mich Ende Oktober auf meinen Solotrip durch Australien machte. Zwar habe ich beim Reisen lieber jemanden an meiner Seite. Zu zweit Städte zu entdecken, Wälder zu durchstreifen, an tollen Stränden zu faulenzen und Abenteuer zu bestehen, macht mir einfach mehr Spaß. Geteilte Freude ist schließlich doppelte Freude. Im Fall von Australien war es aber so, dass der Boyfriend mit eigenen Projekten beschäftigt war und ich während meines Sabbatjahres noch einige Häkchen auf meiner persönlichen Australien-Landkarte setzen wollte. Also musste ich dadurch. Und ich würde es jederzeit wieder tun!

Melbourne: vom Flughafen Tullamarine ins CBD

Von Australiens Ostküste aus flog ich nach Melbourne. In gut zwei Stunden ist man dort, der Transfer vom Flughafen ins Stadtzentrum klappt mit dem Shuttle-Bus problemlos. Dazu muss man allerdings tief in die Tasche greifen, denn ein Return-Ticket kostet stolze 30 Dollar. Dafür bringt der SkyBus einen direkt ins Zentrum von Melbourne, ohne lästige Zwischenstopps und Umsteigen. Hat ja auch was für sich.

Buildings in Melbourne CBD

Hostel in Melbourne

Meine Endstation war der Bahnhof Southern Cross Station an der Spencer Street. Zehn Minuten Fußweg entfernt lag mein Hostel, das Nomads All Nations. Ein furchtbares Massen-Hostel. Die Lady im Reisebüro hatte mir versichert, dass das ein ganz wunderbares Hostel sei und allen meinen Kriterien entspreche. Meine Kriterien, das waren: keine Bettwanzen, kein Partyhostel, ein sauberes Hostel mit ordentlicher Küche und sauberem Bad. Oder positiv ausgedrückt: Ich wollte ein freundliches, kleineres Hostel mit entspannter Atmosphäre, das auch gern ein bisschen außerhalb des Zentrums liegen durfte. So weit meine Vorstellung.
Die Realität sag dann so aus: Das Hostel lag in einem Zusammenschluss aus alten Stadthäusern an einer der Hauptkreuzungen Melbournes, nämlich an der Ecke Spencer Street/Flinders Street. Hier brausten fröhlich und ohne Unterlass Straßenbahnen, Busse, Züge und Autos Tag wie Nacht durch das Zimmer an meinem komfortabel zu eben dieser Kreuzung ausgerichteten Mehrbettzimmer vorbei. Obwohl die Hostel-Bar zwei Stockwerke unter unserem Dorm lag, vibrierte mein Bett taktvoll zum Beat der ziemlich lauten Musik, und das bis 2 Uhr morgens.

Das Nomads All Nations in Melbourne hatte mehrere hundert Betten auf mehreren Stockwerken und war das Gegenteil meiner idealen Hostel-Vorstellung: In der Küche und im Speisesaal herrschte Dauerbetrieb der geschäftigsten Art, die Küche bot kuscheligen Platz für etwa zehn Leute und Geschirr, das in etwa dem Bedarf eines Vierbettzimmers entsprach. Die Waschräume waren alles andere als sauber, aber darauf gehe ich aus Gründen des ästhetischen Lesens lieber nicht näher ein… Um es kurz zu machen: Quartiert euch bei eurer Reise nach Melbourne hier besser nicht ein! Hätte ich nicht wirklich nette Leute hier kennen gelernt, würde meine Bewertung wahrscheinlich noch schlechter ausfallen (Danke, Marcel, dafür, dass du dein Frühstück mit mir geteilt hast, nachdem mein Müsli heimlich jemand anders gefuttert hatte!). Allgemein ist meine Erfahrung mit Nomads-Hostels, dass diese zwar billig sind, aber eben auch Hostels der untersten Kategorie sind.  Wenn’s Euch interessiert, lest gern auch meine Erfahrungen mit Hostels in Australien.

View from Hostel in Melbourne's CBD

Melbourne Essentials

Dass Melbourne die europäischste aller australischen Städte sein sollte, hatte ich bereits vor Jahren gehört. Was genau ich mir darunter vorzustellen hatte, darauf war ich neugierig. Bei einem Spaziergang durch Melbournes City (CBD) wurde mir das – für meinen Geschmack – recht schnell klar: Melbourne hat eine Fußgängerzone!
Und nicht nur das: Melbourne hat so viele kleine Straßen und Gassen abseits der großen Verkehrsadern im CBD, dass man sich hin und wieder plötzlich in Italien oder Spanien wähnt. Die Degraves Street zwischen Flinders Street Station und Elizabeth Street zum Beispiel ist eine schmale Gasse zwischen hohen Häusern mit zahlreichen Cafés, Restaurants und Imbissen. Allesamt haben Tische und Stühle auf der Straße geparkt, die Besucher fast schon magisch anziehen. Ich bin mehrfach durch diese kleine Straße gelaufen und jedes Mal herrschte hier reges Treiben.
Laut Stadtführer waren diese kleinen Straßen, in denen heute das Leben tobt, ursprünglich Zulieferwege und Hintereingänge für die Gewerbe an den Hauptstraßen. Irgendwann haben die Melbourner wohl erkannt, dass diese Sträßchen (in Melbourne Laneway oder Alleyway gennant) viel gemütlicher und einladender zum Verweilen sind als die breiten Straßen. Und so haben sie hier nacheinander kleine Gastgewerbe etabliert. Am Mittag nimmt man hier Lunch und Espresso zu sich, am Abend wird gefeiert und getanzt. Faszinierend, finde ich.

Degraves Street Melbourne

Melbourne CBD

Das Hauptgeschäftszentrum von Melbourne ist nicht gerade klein, aber auch nicht zu groß, um sich bequem zu Fuß von A nach B zu bewegen. Im Schachbrettmuster führen die Hauptstraßen durch die Stadt, das Shoppingzentrum von Melbourne befindet sich zwischen Elizabeth Street, Collins Street, Swanston Street und Lonsdale Street. An der Bourke Street liegt die Fußgängerzone mit den großen australischen Kaufhäusern wie Myer und David Jones. An der Ecke zur Elizabeth Street gibt es außerdem die schönste H&M-Filiale der Welt: Diese liegt im General Post Office, einem wunderschönen historischen Gebäude mit Uhrenturm aus dem Jahr 1919 und Melbournes Dreh- und Angelpunkt.

General Post Office and Pedestrian Area Melbourne
Melbournes Arkaden

Ein absolutes Must-See in Melbourne sind die Royal Arcade und die Block Arcade. Diese Arkaden verbinden Bourke Street und Little Collins Street  bzw. Little Collins Street und Collins Street miteinander. Hier findet man neben eher teureren Boutiquen mit erlesenen Waren wie Zigarren, Feinkost und Schmuck auch Cafés und Teehäuser.

Royal Arcade Melbourne
Ich habe meinen Füßen in den Hopetoun Tearooms eine kleine Pause gegönnt. Dieses Teehaus empfehlen zwar viele Reiseführer, wodurch der Andrang zeitweise so groß war, dass sich draußen eine Schlange gebildet hatte. Eigentlich meide ich solche typischen Touristenmagnete. Aber hier hat die feine Auswahl an Tees und wunderschönen Kuchen gesiegt. Ich fand die Atomsphäre dort ein wenig hektisch, aber wenn man einen Tisch am Fenster oder am Rande ergattert, kann man über geschäftiges Tellerklappern gut hinweghören, finde ich.

Block Arcade Melbourne

Ich bin ziemlich planlos durch Melbourne spaziert. Ich lasse mich gern treiben. Stimmt auch, ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn eigentlich war ich (wie meistens) zu faul, vor meinem Besuch einen Reiseführer zu studieren. Anstatt eine Sehenswürdigkeit nach der nächsten abzuhaken, laufe ich lieber meiner Nase nach durch die Stadt und besuche spontan die Ecken, die für mich interessant aussehen. Weil es in Melbourne davon eine ganze Menge gibt, habe ich am ersten Tag ungefähr zwanzig Kilometer zu Fuß zurückgelegt…

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Tipps für eine Stadtführung in Melbourne

Wer die Stadterkundung lieber etwas geordneter angeht, schließt sich zum Beispiel einer Stadtführung an. Ich hatte an meinem letzten Tag in Melbourne noch Zeit zu füllen und deshalb eine I’m-Free-Tour mitgemacht. Das Prinzip dieser Stadtführungen ist einfach: Ein Guide spaziert mit einer Gruppe von Menschen durch die Stadt und liefert kurze Geschichten und ein paar historische Daten zu den besuchten Stätten. Anmelden muss man sich nicht. Die Touren starten zweimal täglich vor der State Library of Victoria und dauern etwa drei Stunden. Am Ende des Rundgangs zahlt jeder dem Guide so viel, wie er denkt, dass die Tour es wert war. Theoretisch sind diese Stadtführungen in Melbourne also kostenlos, praktisch zahlt am Ende der Tour doch (fast) jeder einen individuellen Beitrag.
Unser Guide hat am Anfang der Tour betont, dass sie kostenlos sei, und im gleichen Atemzug erwähnt, dass man sich bei der Höhe der „Spende“ ja daran orientieren könne, was andere Stadtführungen in Melbourne kosteten, also etwa 40 Dollar pro Nase. Haha. Wenn nicht sogar ein bisschen unverschämt. Kurzum: Ich fand die Tour ganz nett, man kommt in Melbourne aber sehr gut ohne Stadtführung zurecht.

City Circle Tram Melbourne
Öffentliche Verkehrsmittel in Melbourne

Das Zentrum von Melbourne ist übersichtlich und dank der schachbrettmusterartig angelegten Straßen, ist es immer einfach, sich zu orientieren. Deshalb kann man sich prima ohne Bus und Bahn fortbewegen. Wer nicht so laufbegeistert ist, kann zum Beispiel auf die kostenlose City Circle Tram aufspringen. Diese historische Tram mit der Nummer 35 umfährt Melbournes CBD in beide Richtungen mehrmals am Tag und startet alle zwölf Minuten.
Der Melbourne Visitor Shuttle ist ein Bus, der neben typischen Sehenswürdigkeiten im CBD auch die Docklands, Melbourne berühmte Sportparks und zum Beispiel den Botanischen Garten bedient. Ein Ticket kostet einmalig 5 Dollar pro Person und ist den ganzen Tag lang gültig.

Touristeninfo in Melbourne

Die Touristenbüros zum Beispiel bieten eine wahre Fülle an hochwertigem Informationsmaterial und brauchbaren Straßenkarten. Außerdem trifft man vor den Haupttouristenattraktionen wie der Flinders Street Station häufig Ehrenamtler vom Touristenverein, die verirrten Touristen gern behilflich sind.

Flinders Street Station Melbourne
Federation Square und Flinders Street Station

Das bekannteste Wahrzeichen Melbournes ist wohl die Flinders Street Station. Melbournes größter und wichtigster Bahnhof wurde 1909 eröffnet. Das satt gelbe Gebäude mit seinen zahlreichen Zierbögen und Steinvorsprüngen erstreckt sich über zwei Straßenblöcke entlang des Yarra Rivers.
Schräg gegenüber liegt die St. Pauls Cathedral, ein ebenfalls architektonisch sehr beeindruckendes Bauwerk. An die Flinders Street Station schließt sich entlang des Flusses der Federation Square an, Melbournes Showground für Veranstaltungen und Festivals aller Art. Hier findet Ihr außerdem die Hauptfiliale des Touristenbüros, verschiedene Galerien und Museen und natürlich jede Menge Restaurants. Am Federation Square gibt es außerdem kostenloses WLAN – welcher Reisende sagt da schon nein?

 Hosier Lane Melbourne Street Art
Street Art in Melbourne

An Melbournes Streetart-Szene kommt man auf einem Stadtspaziergang nicht vorbei. Ich wollte das aber auch gar nicht. Ich mag Stencils, Graffitis, Murals, Poster und andere fantasiereiche Straßenkunstwerke. Nicht weit vom Federation Square liegt Melbourne berühmteste Streetart-Straße: die Hosier Lane.
Von den Häuserwänden über die Pflastersteine bis zu Mülltonnen und Fenstergittern ist hier alles Streetart. Die Straße selbst ist ein Gesamtkunstwerk, und zwar eines, das sich täglich wandelt. Ich bin mehrfach die Hosier Lane rauf und runter geschlendert und habe jedes Mal ein Bild gesehen, das ich bis dahin nicht bemerkt hatte, oder das bis bis dahin noch gar nicht da war.

Hosier Lane Melbourne Street Art
The Yarra – die Melbourner lieben ihren Fluss

Obwohl Melbourne tolle Küstenvororte hat, scheint sich unter den Einheimischen darum niemand wirklich zu scheren. Die Strände sind selbst an Sonnentagen nicht so voll wie zum Beispiel Bondi Beach in Sydney. Am Yarra River hingegen herrscht dauerhaft Hochbetrieb, und zwar so, dass man das Gefühl bekommt, an einer englischen Elite-Uni im Sportclub gelandet zu sein: Es wird gerudert, was das Zeug hält! Die Jungs und Mädels in ihren Achtern, Kajaks und sonstigen Sportbooten geben auf dem Wasser alles, während sie am Ufer ein Trainer mit dem Fahrrad begleitet und über ein Megafon Trainingsanweisungen gibt.

Ich habe es mir am Abend meistens am Yarra bequem gemacht und dort etwas gegessen, gelesen, das Treiben beobachtet oder bin an der Southbank Promenade mit ihren glitzi-blitzi Schickimicki-Restaurants und Clubs auf und ab gelaufen.

Queens Bridge Melbourne
Von hier aus kann man bestens den Sonnenuntergang beobachten, zum Beispiel von der riesigen roten Tribüne am Queens Bridge Square aus. Hier scheint einem die Sonne am längsten auf den Pelz, außerdem spielen Straßenmusiker Trompete, Gitarre oder singen a capella…

Straßenmusiker Sesamstraße Melbourne
Am östlichen Ende der Southbank Promenade, unterhalb der St. Kilda Road Bridge schließt sich ein schöner Spazierweg durch Alexandra Gardens und Queen Victoria Gardens zum Botanischen Garten von Melbourne an.

Fazit

Melbourne und St. Kilda kann man in drei Tagen prima erkunden. Wer allerdings Museen, Konzerte oder Theatervorstellungen besuchen möchte, der sollte ein bis zwei zusätzliche Tage für Melbourne einplanen. Mir hat die Stadt sehr gut gefallen: Das CBD ist sehr freundlich und bunt und insgesamt erschien mir Melbourne ein bisschen mehr „down to earth“ als Sydney. Eine Stadt, die du in Australien auf jeden Fall gesehen haben solltest!

Southbank Melbourne

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